Bauhaus-Universität Weimar

von Zitteraalen. 
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ihr fremdartiges Ausehen von näherer Bekanntschaft abgeschreckt zu 
werden. Nur ein Goldfisch wurde schliesslich verzehrt. Auf ihr elek¬ 
trisches Vermögen prüfte Dr. Sachs die Fische nicht, um sie nicht un¬ 
nütz zu ermüden.1 
Die Reise von Bremerhafen nach Berlin war es, welche binnen 
wenigen Stunden Dr. Sachs um die Frucht monatelanger Mühen brachte. 
In bester Absicht handelnd trug ich vielleicht zu diesem schlimmen Aus¬ 
gang bei. Ich hatte die Bremer Zollbehörde ersucht, Dr. Sachs nach 
Möglichkeit Erleichterungen zu gewähren. Die Behörde entsprach meinem 
Wunsche mit der dankenswerthesten Bereitwilligkeit, und so kam es, dass 
Dr. Sachs, ohne sich viel zu besinnen, vom Dampfer fast unmittelbar 
auf die Eisenbahn überging. Die Eisenbahnfahrt während einer Nacht 
wurde den Zitteraalen so verderblich wie die viertägige Steppenreise im 
Maulthierkarren. 
Nach der Ankunft in Berlin, wo sie in meinem alten Zitterwels- 
Aquarium2 untergebracht wurden, lebten die Thiere zwar noch, waren 
aber mit Wunden und Abschürfungen bedeckt. Sie athmeten in der 
oben S. 98 geschilderten Weise mühsam und saugend, indem sie, auf 
den Schwanz gestützt, last senkrecht im Wasser standen, und starben 
sämmtlich im Lauf von drei Tagen.3 
Als das Unglück geschehen war, konnte man sich freilich sagen, was 
man besser getlian und gelassen hätte. Es wäre vorsichtiger gewesen, 
zunächst nur mit Einem Thiere den Versuch der Ueberfülirung nach 
Berlin zu machen, und wenn er schlecht ausfiel, mit den übrigen die 
Wasserstrasse über Hamburg die Elbe, Havel und Spree hinauf einzu- 
sclilagen. Der Rath von Vorstehern öffentlicher Aquarien, welche fort¬ 
während ähnliche und schwierigere Aufgaben lösen, hätte zuerst gehört 
werden sollen. Auf alle Fälle musste die lüste mit den Fischen im 
Eisenbahnwagen hängen statt zu stehen. Im hängenden Goldfischbecken 
haben wiederholt Zitterwelse, welche auch schuppenlos sind, längere Eisen¬ 
bahnfahrten ohne Schaden überstanden.4 Hr. Babuchin hat wiederholt 
glücklich Zitterwelse aus Aegypten nach Moskau gebracht. 
Das Jahr 1878, welches uns Dr. Sachs selber entriss, zeigte sich 
auch sonst der Erforschung der Zitteraale durch deutsche Gelehrte nicht 
hold. Dr. Sachs hatte in Bolivar Verbindungen angeknüpft, um die 
Sendung lebender Zitteraale hierher zu vermitteln.5 Kurz nach Dr. Sachs' 
1 Llanos, S. 338. 
2 Ges. Abk. Bd. IL S. 605. 
3 Llanos, S. 339. 
4 Ges. Abk Bd. IL S. 606. 607. 
5 Llanos, S. 339. 340. 
Sachs und du Bois-Reymond, Zitteraal. 
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