Bauhaus-Universität Weimar

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2. Abschn. § XI. Obschon Luft athmend 
Noch ein anderer Panzerwels des tropischen Südamerikas, Callichthys 
asper Cuy. Yal., hat sich, wie Hr. Jobert in Rio de Janeiro kürzlich 
entdeckte,1 dieselbe Athmungsweise angewöhnt, wie Cobitis fossilis und 
Taenia;2 3 er verschluckt Luft und entlässt sie in Blasen durch den After, 
indem ihm sein Darm als Lunge dient. Es müsste darauf geachtet 
werden, oh nicht der Zitteraal es mit einem Theil der von ihm ge¬ 
schluckten Luft ähnlich hält. Bei der Lage des Afters zwischen Kiemen 
und Maul würde es einem Beobachter, der nicht genau hinsieht, leicht 
entgehen, wenn von Zeit zu Zeit auch aus dem After Luftblasen entwichen. 
Auffallend ist, dass nicht auch die Zitteraale ausser Wasser aushalten. 
Wenn sie aus dem Wasser heraus Luft athmen, müssten sie es an der 
Luft erst recht können. 
Nach Flourens 3 sterben Fische an der Luft, nicht weil ihre Kiemen 
austrocknen, sondern weil deren Blättchen sich nicht mehr entfalten. 
Da hierzu Feuchtigkeit gehört, beruht die Fähigkeit einiger Fische, an der 
Luft auszudauern, zum Theil1 auf Einrichtungen, welche die Kiemen 
feucht halten; wie man denn andere Fische dadurch länger an der 
Luft lebend erhält, dass man ihre Kiemen auszutrocknen verhindert, bei¬ 
spielsweise Karpfen durch feuchtes Moos davor schützt.5 Den Labyrinth¬ 
fischen dient das Fachwerk ihrer oberen Schlundknochen Wasser zum 
Anfeuchten ihrer Kiemen aufzubewahren. Man sollte meinen, dass auch 
die Zitteraale solche Einrichtungen an den korallenartigen Auswüchsen 
besitzen, mit welchen ihre Mundhöhle und sogar ihre Kiemenbögen be¬ 
setzt sind (s. oben S. 10). Eine ähnliche Bildung zeigen der Beschreibung 
nach die Kiemen der Nilwelse Heterobranchus, welche, wie der eben 
erwähnte südamerikanische Panzerwels Callichthys armatulus, beim Aus¬ 
trocknen der Gewässer in den Schlamm sich ein wühlen.6 
Enge der Kiemenspaltea ist eine andere Einrichtung, welche über 
Land gehende Fische, beispielsweise unseren gemeinen Aal, auszeichnet;7 
aber auch die Kiemenspalten des Zitteraales sind eher eng als weit. 
1 Annales des Sciences naturelles. VIme Série. Zoologie etc. 1877. t. V. p. 19. 
2 P. Erman in Gilbert’s Annalen der Physik. 1808. Bd. XXX. S. 140; — 
Baumert, Chemische Untersuchungen über die Respiration des Schlammpeitzgers 
(Cobitis fossilis). Heidelberg 1852. 4°; ■— v. Siebold daselbst, S. 71 (Ueber die 
Athmung von Cobitis Taenia). 
3 Annales des Sciences naturelles etc. 1830. T. XX. p. 21. 
4 Vergl. P. Bert, Leçons sur ... la Respiration etc. p. 255 et suiv. 
5 Vergl. Provençal und Humboldt, Mémoires de Physique et de Chimie, de 
la Société d’Arcueil etc. L. c. p. 397; — Humboldt, Relation etc. L. c. p. 177. 
6 Milne Edwards, Leçons sur la Physiologie et l’Anatomie comparée de 
l’Homme et des Animaux, t. IL Paris 1857. p. 260. 261. 
7 Milne Edwards, 1. c. p. 261. 262.
        

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