Bauhaus-Universität Weimar

Fischzüge. 
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gute Dienste leistete (s. unten § XV), würden schon wegen der Kürze 
der Zeit, während welcher man sie mit Erfolg übt, keine grossen Hoff¬ 
nungen auf sie zu setzen sein. 
Seltsamerweise wurden, als Dr. Sachs diese Fang weise in’s Werk setzte, 
ausser zwei niedlichen, 1—2 Fuss langen Zitteraalen und mehreren Coronchos 
(Plecostomus pardalis Castelnau) in demselben Bongo noch fünf andere 
Gyiimotinen gefangen, darunter die bezielilich obenS. 13 und 69 erwähnten 
Sternarchus Sachsi und virescens. Dr. Sachs’ erster Gedanke, den er in 
den Reisebriefen aussprach, war, dass die Fische so zusammenkämen, 
weil sie sich als Verwandte fühlten.1 In seiner Reisebeschreibung urtheilt- 
er unstreitig richtiger: „Es scheint, dass alle diese Fische einen schattigen 
„und geschützten Aufenthaltsort lieben, was ich vom Zitteraal in der Ge¬ 
fangenschaft direct beobachten konnte, und dass sie deswegen gern in das 
„Innere von Böten hineinschlüpfen.“2 
Diese Gewohnheit der Gymnotinen erinnert an die des Seeaals (Conger 
marinus) und der Muräne (Muraena Helena), welche frei im Golf von Neapel 
Klüfte und Höhlungen der Küste, in den Aquarien der zoologischen Station 
aber die dazu hineingelegten Töpfe, Urnen u. d. m. aufsuchen, und oft, 
Aal und Muräne zusammen, zu mehreren in Einem solchen Schlupfwinkel 
hausen.3 
Die vom Zitteraal bevorzugten Cahos der Steppe muss man sich denn 
auch nicht, wie wenigstens ich selber es früher that, als durch einen Wiesen¬ 
grund, immerhin von tropischer Ueppigkeit des Graswuchses, maeandernd 
vorstellen, 'gleich den „Fliessen“ unserer Niederungen, sondern als vom 
dichten Wald beschattet, welcher auch die unbedeutendsten Wasserläufe 
begleitet,4 5 und oft mit steilen, lehmigen Ufern tief eingeschnitten in die 
kleinen Bodenerhebungen, die unter dem Namen Mesas und Buncos5 aus 
der meerähnlichen Fläche der Llanos hervorragen (s. das Kärtchen oben 
S. 79). In der That schildert ja auch Humboldt seine Lagune als um¬ 
geben mit schönen Bäumen, von deren weithin über das Wasser sich 
ausbreitenden Aesten aus die Indianer mit ihren Bambusstäben den 
Pferden den Rückzug wehrten.6 Wenn ich jetzt mir die Dinge richtig 
1 A. a. 0. S. 93. 2 Llanos, S. 279. 
3 R. Schmidtlein, Beobachtung über die Lebensweise einiger Seethiere inner¬ 
halb der Aquarien der zoologischen Station. In: Mittheilungen aus der zoologischen 
Station zu Neapel, zugleich ein Repertorium für Mittelmeerkunde. Bd. I. Heft IV. 
Leipzig 1879. S. 490. 491. 495. 
4 Llanos, S. 116. 128. 
5 Llanos, S. 103; — Humboldt, Ansichten der Natur u. s. w. A. a. O. S. 4. 47. 
6 Auch John Samo (Her Majesty's Judge at Surinam), welcher um den An¬ 
fang der vierziger Jahre, zum ersten Mal seit Humboldt, Nachricht vom Zitteraal 
aus seiner Heimath gab, sagt: „The fish is found in shallow rivulets of fresh water
        

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