Bauhaus-Universität Weimar

Die Logik der Chemie. 
Eine methodologische Betrachtung 
von 
W. Wundt. 
Seit Baco die Physik die Mutter der Wissenschaften genannt 
hat, ist mehr und mehr die Ansicht zur allgemeinen Geltung durch¬ 
gedrungen, dass in den Methoden der physikalischen Forschung das 
vollendetste Beispiel inductiver Methodik für alle übrigen Erfah¬ 
rungswissenschaften aufgestellt sei, ähnlich wie man umgekehrt in der 
Mathematik das unübertreffliche Vorbild einer rein deductiven 
Wissenschaft zu sehen pflegt. 
In der englischen Logik, deren Anschauungen in dieser Beziehung 
maßgebend geworden sind, wirkt das Baconische Vorbild in einem 
guten, aber auch in einem schlimmen Sinne nach. So viel Anerken- 
nenswerthes z. B. John Herschel’s »Einleitung in das Studium der 
Naturwissenschaften« und John Stuart Mills Logik über die Me¬ 
thoden der experimentellen Forschung enthalten, so ist doch unschwer 
zu sehen, dass die Regeln, welche sie aufstellen, nicht direct aus der 
naturwissenschaftlichen Forschung abstrahirt, sondern zunächst mit 
zweckmäßig angebrachten Vereinfachungen den Baconischen Vorschrif¬ 
ten entlehnt und dann nachträglich durch moderne Beispiele erläutert 
sind. Für Baco aber ist das Urtheil seines Zeitgenossen William 
H a r v e y, »er habe über die Wissenschaften geurtheilt als ein Lordkanz¬ 
ler«, in dem doppelten Sinne wahr, dass es nicht bloß auf die flüchtige 
Kenntniss, die der vornehme Mann von der Naturwissenschaft seiner 
Wundt, Phil. Studien. I. 32
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.