Volltext: Erster Theil: Blut und Blutbewegung (4)

98 Rollett, Physiologie des Blutes. 5. Cap. Eiweisskörper d. Blutserum u. -plasma. 
2. Sy nt o nin. 
Wie durch Alkalien, so wird das Eiweiss auch durch Säuren modi¬ 
fient. Fügt man zu Blutserum so viel dreibasische Phosphorsäure, dass 
dasselbe durch Erhitzen nicht mehr getrübt wird und lässt dann erkalten, 
so gesteht es zu einer Gallerte, die neuerdings erwärmt wieder schmilzt, 
um beim Erkalten abermals aufzutreten u. s. f. Diese Gallerte erhielt zu¬ 
erst Magendie ‘, später wurde sie von Lieberkühn 2 wieder dargestellt. 
Man erhält sie nicht bloss mit Phosphorsäure oder Eiweiss nicht fällen¬ 
den Pflanzensäuren, sondern auch mit sehr verdünnten Mineralsäuren 
{Clffy HïSÜa, HiSOz), die das Eiweiss nocli nicht fällen, aber dessen Ge¬ 
rinnen beim Kochen eben hindern. Stücke dieser Gallerten lösen sich 
leicht beim Digeriren mit Wasser, die Lösung enthält dann durch Säure 
modificirtes Eiweiss (Acidalbumin, Syntonin). Durch Erwärmen verdünnter 
Eiweisslösungen mit Säure oder durch Digeriren von Säurefällungen des 
Eiweisses mit einem Ueberschuss von Säure (am besten CUI) lassen sich 
saure Eiweisslösungen von 'denselben Eigenschaften gewinnen. Die Lösun¬ 
gen gerinnen nicht beim Kochen, beim Neutralismen fällt ein Niederschlag, 
der im Ueberschuss von Alkali leicht sich wieder löst. Die Lösungen 
in Alkali stimmen in ihren Eigenschaften mit Alkalialbuminatlösungen nahe 
überein. 
Hier müssen auch die Niederschläge erwähnt werden, welche ange¬ 
säuerte Eiweisslösungen mit neutralen Salzen oder vorher stark gesalzene 
Eiweisslösungen mit Säuren geben (Melsens 3, Panum4, Eichwald 5 8). Diese 
Niederschläge sind, wenn die Säure nur kurze Zeit wirkte, in Wasser 
wieder vollkommen löslich und die Lösungen derselben gerinnen beim 
Kochen. Brücke 6 erklärt das Zustandekommen dieser Niederschläge mit 
Hinblick auf die Quellungserscheinungen der Eiweisskörper durch die 
Wasserentziehung, welche das Eiweisspartikel durch Zusammenwirken von 
Säure und Salz erfährt. 
Haben dagegen die Säuren länger gewirkt, dann werden jene Nieder¬ 
schläge in Wasser unlöslich und sind nur mehr in Säuren oder Alkalien 
löslich, entsprechend dem durch Säure modificirten Eiweiss. Für das 
letztere hat Panum 7 den Namen Acidalbumin vorgeschlagen, während 
man jetzt die Bezeichnung Syntonin gebraucht, die C. G. Lehmann s fin¬ 
den nach Liebig’s9 Verfahren mit 0,lü(o CIH aus dem Muskelfleisch er¬ 
haltenen Eiweisskörper (Liebig’s Muskelfibrin) einführte. 
Sehen früher haben wir auf die Aehnlichkeit der Reactionen der 
alkalischen Lösungen des Syntonin mit Alkalialbuminatlösungen hinge- 
1 Magendie, Leçons sur le sang et les alterations des liquid, etc. p. 170. Paris 
1838. 
2 Lieberkühn, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1848. S. 285. 
3 Melsens, Ann. de chim. et phys. 3. sér. XXXIII. p. 170. 1851. 
4 Panum, Arch. f. pathol. Anat. IV. S. 17. 1852. 
5 Eichwald a. a. O. 
6 Brücke, Sitzgsber. d. Wiener Acad. XXXVII. S. 177 u. 178. 1859. 
7 Panum a. a. O. 
8 Lehmann, Lehrb. d. physiol. Chemie. 2. Aufl. I. S. 346. Leipzig 1853. 
9 Liebig, Ann. d. Chemie u. Pharm. LXXIII. S. 125. 1850.
	        
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