Volltext: Erster Theil: Blut und Blutbewegung (4)

82 Rollett, Physiologie des Blutes. 4. Cap. Entw. u. Neubild. d. Blutkörperchen. 
hautzellgewebe der Ratte machte, und zwar nicht bloss während 
des intrauterinen Lebens, sondern auch noch lange nach der Ge¬ 
burt, wonach die rothen Blutkörperchen in Zellen entstehen, die 
isolirt von einander und von den Blutgefässen im Bindegewebe auf- 
treten. Ranvier schildert die Zellen, welche er vasoformative Zellen 
nennt, an seinem Objecte als stark lichtbrechende cylindrische gerade 
oder gekrümmt verlaufende Zellen, die mit protoplasmatischen Fort¬ 
sätzen versehen sind, welche eine verschiedene Form, Länge und 
Richtung besitzen. In dem Körper dieser Zellen finden sich rothe 
Blutkörperchen hintereinander aufgereiht vor. Erst wenn diese sich 
in den vasoformativen Zellen gebildet haben, treten dieselben mit 
den Blutgefässen in Verbindung und werden die Blutkörperchen aus 
ihnen weggeschwemmt. Leboucq1, welcher die Entwicklung der 
Blutgefässe an diversen Orten und an verschiedenen Thieren unter¬ 
suchte, bestätigt die Hauptsache der uns hier interessirenden Funde 
von Ranvier und Schäfer: die Hämatogenese in Zellen, welche 
isolirt von einander im Bindegewebe auftreten und die er mit Ran¬ 
vier als vasoformative bezeichnet. Wissotzky2 fand dieselbe Genese 
von Gefässen und Blut im Amnion des Kaninchen. Hayem3 im Netze 
neugeborener Kätzchen. Es ist aber von Neumann4 auch in der em¬ 
bryonalen Leber, welcher schon vorher von E. H. Weber5 6, Kölliker'5 
und Neumann7 9 selbst eine grosse Bedeutung für die Blutbildung zu¬ 
geschrieben wurde, eine ganz ähnliche Hämatogenese aufgefunden 
worden, dort liegen polygonale oder bandartige Protoplasmamassen 
in dem den Blutgefässen folgenden interstitiellen Gewebe, in diesen 
Protoplasmamassen entstehen rothe Blutkörperchen, welche nach Neu¬ 
mann schliesslich in die Gefässe der Leber entleert werden. 
Alle bisher angeführten Vorgänge der Hämatogenese weisen auf 
das Entstehen der Blutkörperchen in besonderen Brutstätten hin, von 
wo aus sie erst nachträglich in den Blutstrom gelangen und wir müssen 
hinzufügen, dass die Darstellungen, welche Schwanns, Remak0 und 
1 Leboucq, Recherches sur la développement des vais, et des glob. sanguin, etc. 
Gand 1ST 6. 
2 Wissotzky, Arch. f. microscop. Anat. XIII. S. 479. 1877 und Ranvier, Traité 
techn. p. 634. Note. 
3 Hayem, Gaz. méd. 1878. p. 330. 
4 Neumann, Arch. d. Heilk. 15. Jahrg. 1874. S. 441. 
5 E. H. Weber, Brief an Kölliker mit Vor- und Nachwort des Letzteren; 
Ztschr. f. rat. Med. IY. S. 160. 1845. 
6 Kölliker, Ebenda S. 142 ; Gewebelehre S. 637. Leipzig 1867. 
7 Neumann, Berliner klin. Wochenschr. 1871. Nr. 4. 
8 Schwann a. a. O. 
9 Remak a. a. O.
	        
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