Bauhaus-Universität Weimar

Hämatoporphyrin, Hämoglobingehalt des Blutes. 
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Es muss, um die Zersetzungsproducte des Hämoglobins abzu- 
schliessen, hier noch auf die Zersetzungen hingewiesen werden, welche 
man für das Hämoglobin innerhalb des Thierleibes postulirt. Dahin 
gehört, dass man das Hämoglobin als Materiale für die Bildung von 
Gallen- und Harnfarbestoffen ansieht (vergl. darüber Galle und Harn). 
Die genuinen Gallenpigmente künstlich aus dem Hämoglobin zu er¬ 
zeugen, ist bisher nicht gelungen, wohl aber hat Hoppe-Seyler durch 
Einwirkung von Zinn und Salzsäure auf Hämatin in alkalischer Lö¬ 
sung und auch direct aus dem Hämoglobin mit Zinn und alkoho¬ 
lischer Lösung von Salzsäure einen Farbestoff gewonnen, welchen er 
als mit den von Jaffé als Urobilin, von Maly als Hydrobilirubin 
bezeichneten Harnfarbestoff identisch erklärt. 
9. Der Gehalt des Blutes an Hämoglobin ist mehrfach bestimmt 
worden. Wir haben die Methoden hierfür schon kennen gelernt (vgl. 
S. 44, 45/49 u. 53) und hier nur noch auf zwei früher nicht erwähnte 
hinzuweisen, gegen welche sich aber die grössten Bedenken erheben 
lassen. 
Grehant 1 sucht das Hämoglobin zu bestimmen aus der Menge Sauer¬ 
stoff, welche durch CO aus dem Hämoglobin verdrängt wird. Quinquaud 2 
sucht das Hämoglobin ebenfalls aus der Bestimmung des Blutsauerstoffes 
zu finden. Er bedient sich dazu der Methode von Risler und Schützen¬ 
berger 3, wobei der Sauerstoff durch Titriren mit einer Lösung von hydro - 
schwefligsaurem Natron bestimmt wird. Wie man sieht, müsste für beide 
Bestimmungen das Blut vorher mit Sauerstoff vollkommen gesättigt sein. 
Bei Qüinquaud’s Verfahren bleibt es nicht bei der Bildung von reducir- 
tem Hämoglobin, da Schützenberger und Risler durch Titriren viel mehr 
Sauerstoff im Blute fanden, als man nach anderen Methoden gewinnen kann. 
Quantitative Bestimmungen des Hämoglobins im Blute sind wegen 
der Beziehungen dieses Körpers zum respiratorischen Gaswechsel und 
als nothwendige Voraussetzung für die Beurtheilung der in Krank¬ 
heiten vorkommenden Abweichungen von grosser Wichtigkeit. 
Bestimmungen des Eisens im Blute liegen in grosser Zahl vor 
(Denis4, F. Simon5, Nasse6, Becquerel & Rodier7, Poggiale8, C. 
Schmidt9, Pelouze10 und Andere). 
1 Grehant, Compt. rend. LXXV. p. 497. 1872. 
2 Quinquaud, Compt. rend. LXXYI. p. 1489. 1873. 
3 Risler u. Schützenberger, Compt. rend. LXXVI. p. 440. 1873. 
4 Denis, Reclierch. exper. sur le sang etc. Paris 1830 und Essai sur l’applic. de 
la chim. à l’étude physiol, du sang etc. Paris 1S38. 
5 Simon, Arch. d. Pharm. XVIII. S. 35. 1839. 
6 Nasse', Wagner’s Handwörterb. d. Physiol. I. S. 138. Braunschweig 1842. 
7 Becquerel u. Rodier, Rech, sur la comp, du sang etc. p. 23 u. 27. Pari« 1844. 
8 Poggiale, Compt. rend. XXV. p. 112. 1847. 
9 C. Schmidt, Charakter d. epid. Cholera. Leipzig u. Mitau 1850. 
10 Pelouze, Compt. rend. LX. p. 880. 1855.
        

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