Bauhaus-Universität Weimar

Spectrophotometer von Vierordt, Hüfner und Glan. 
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absorbirenden Flüssigkeit vor die eine Spalthälfte wieder ungleich wird, 
den Nicol so lange, bis gleiche Helligkeit vorhanden ist. Aus dem Dre¬ 
hungswinkel des Nicols ist dann die verloren gegangene und die übrig 
bleibende Lichtintensität unmittelbar zu finden h 
Glan 2 bringt vor dem Spalt eines geradsichtigen Spectroscopes eine 
Brücke aus geschwärztem Messing horizontal so an, dass ein oberer und 
ein unterer Spalt entsteht. Das durch jeden der beiden Spalte einfallende 
Licht gelangt auf ein RocHON’sches Prisma3, dessen brechende Kanten 
horizontal liegen und in welchem jedes der beiden Bündel in zwei recht¬ 
winklig aufeinander polarisirte Bündel zerlegt wird. Die den beiden Spal¬ 
ten entsprechenden Doppelbilder stehen übereinander und in der Mitte 
grenzt ein Bild des oberen Spaltes an eines des untern. Die beiden an¬ 
deren Bilder fallen durch Blendung aus. Das aus dem RocHON’schen Prisma 
kommende Licht geht dann durch ein Nicol’sches Prisma und wird darauf 
durch die Prismen des Spectroscopes zerlegt. Das Helligkeitsverhältniss 
der so erzeugten übereinander stehenden Spectren ist abhängig von dem 
Winkel, welchen die Polarisationsebene des Nicols mit dem Hauptschnitt 
des RocHON’schen Prismas macht. Bringt man vor den einen Spalt eine 
absorbirende Flüssigkeit, so erhält man wieder zwei verschieden helle 
Spectren, welche durch Drehung des Nicols auf gleiche Helligkeit ge¬ 
bracht werden müssen. Aus dem Drehungswinkel des Nicols, der am 
Instrument abzulesen ist, kann wieder die Grösse der Absorption berech¬ 
net werden4). Sowohl in Hüfner’s als Glan’s Instrument befindet sich 
der Ocularschieber zum Isoliren bestimmter Spectralregionen. 
Auf die Photometrie der Absorptionsspectren hat Vierordt5 eine sehr 
allgemein anwendbare quantitative Methode zur Bestimmung von Farbe¬ 
stoffen gegründet. Sie ist auch für den Blutfarbestoff diejenige, welche 
alle anderen weitaus übertrifft. Wir nennen sie zum Unterschiede von 
1 Ist J die Intensität des polarisirten Strahles vor der Drehung des Nikols, 
J' die Intensität nach der Drehung, so ist 
J — J’ = sin 2 (p und 
Jf = cos-cp. 
2 Glan. Ann. d. Phys. u. Chemie N. F. I. S. 351. 1877. 
3 Rochon’sches Micrometer vergl. Beer, Einleitung in die höhere Optik S. 288. 
Braunschweig 1853. Glan benennt es in seiner Abhandlung consequent als Wolla- 
ston’sches Prisma. Warum? weiss ich nicht. 
4 Sind J und i die Intensitäten der von den beiden Spalten ausgehenden 
Lichtbündel, a und ar zwei Schwächungscoeffieienten, bedingt durch die Brechun¬ 
gen und Absorptionen, welche die rechtwinklig polarisirten Strahlen im Apparate 
erleiden, ist ferner « der Winkel, welchen die Polarisationsebene des Nikols mit 
der des Bündels macht, dessen Helligkeit J ist, und hat man das Nikol so ein¬ 
gestellt, dass beide Spectren gleich hell sind, so ist 
Ja cos 2 a = iaf sin 2 a 
und wird nun die Helligkeit des einen Lichtbündels geändert, so muss der Nikol 
gedreht werden, damit man wieder gleich helle Spectren erhält. Ist nun a' der 
Winkel der Polarisationsebene des Nikols mit der des Bündels, dessen Helligkeit 
jetzt Jf ist, so hat man wieder 
J’a cos2 a’ = i ar sin 2 af 
und folglich Jf tang2 ar 
J tang 2 a 
5 Vierordt, Die Anwendung des Spectralapparates zur Photometrie der Ab¬ 
sorptionsspectren etc. Tübingen 1873; Die quantitative Spectralanalyse in ihrer 
Anwendung auf Phys. etc. Tübingen 1876.
        

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