Bauhaus-Universität Weimar

324 Roulett, Physiol, d. Blutbewegung. 6. Cap. Blutbeweg, in d. Capillargefässen. 
des Centrum tendineum aufgefundenen Löchern auf eine Stufe stellen zu 
können glaubten. Obwohl nun die letzteren; durch die Untersuchungen 
von Ludwig & Schweigger-Seidel1 und die Beobachtungen von Dybkowsky2 
an der Pleura bald als besondere Bildungen nachgewiesen wurden, mit 
welchen die Oedmansson’scIicii Stomata nicht mehr zu analogisiren waren, 
so hielt doch Cohnheim3 an der Existenz solcher Stomata in dem Endo¬ 
thelium der Capillaren zur Erklärung der von ihm beobachteten Permea¬ 
bilität der Gefässwände für Blutkörper einige Zeit fest und hat diese 
Anschauung erst in späterer Zeit4 wieder verlassen. 
Die Untersuchungen von J. Arnold5 ergaben, dass die fraglichen 
Feldchen in den Silberlinien, deren er grössere (Stomata) und kleinere 
(Stigmata) unterscheidet, erst dann in grösserer Anzahl am Gefässendotliel 
Vorkommen, wenn einmal, sei es in Folge von venöser Stauung, sei es 
in Folge von entzündlicher Stase, schon eine reichliche Auswanderung 
von rothen oder weissen Blutkörperchen stattgefunden hat. Die Austritts¬ 
stellen der Blutkörperchen und die Oeffnungen der Capillargefässe in die 
in Form der v. RECKLiNGHAUSEN’schen Saftcanälchen vorliegenden präfor- 
mirten Verbindungswege zwischen Blut- und Lymphcapillaren sollen dann 
in dieser Weise gekennzeichnet sein. Ganz abgesehen von der letzteren 
noch unsicheren Deutung muss man nach Arnold’s Beobachtungen an¬ 
nehmen, dass die fraglichen Feldchen in den Silberlinien erst mit den 
anatomisch noch sehr wenig aufgeklärten, nach Kreislaufstörungen, na¬ 
mentlich in entzündeten Theilen auftretenden Veränderungen der Gefäss- 
wand (Cohnheim6, Winiwarter7) hervortreten. Das ist aber nicht immer 
der Fall, denn aus den Untersuchungen von Purves8, Alferow9 11, Tarcha- 
noff46, und Foau ergab sich, dass die auf Stomata oder Stigmata bezo¬ 
gene Zeichnung des Endothels eine oft vollständig fehlende oder sehr 
inconstant sich einfindende Erscheinung ist, und dass Blutkörperchen so¬ 
wohl als colloide Massen auch bei gänzlichem Mangel jener Feldchen durch 
die Kittleisten nach aussen gelangen, während man sie niemals durch die 
Substanz der Endothelspindeln selbst hindurchtreten sieht. 
Die Weite der Capillaren ist eine wechselnde. Sie haben in 
einzelnen Organen ihrer Anlage nach einen verschiedenen Durch¬ 
messer, wie am besten aus der Anordnung der Endothelzellen her¬ 
vorgeht, Oft bilden lange mit ihren Spitzen in einandergreifende 
1 Ludwig u. Schweigger-Seidel, Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. Math.-naturw. 
CI. 1866. S. 362. 
2 Dybkowsky, Ebenda. S. 191. 
3 Cohnheim, Arch. path. Anat. XL. S. 1. 1867 ; XLI. S. 224. 186 <. 
4 Cohnheim. Neue Untersuchungen über die Entzündung. Berlin 1873. 
5 J Arnold, Arch. f. pathol. Anat. LVIII. S. 203. 1873; LXII. S. 157. 4S/. 
1S75:LXXII. S. 245. 1878. , . v _ Q oc 
6 Cohnheim a. a. 0.; Untersuchungen über die embohschen Processe. S. 28. 
T*prim 1 ST 2 
7 Winiwarter, Sitzgsber. d. Wiener Acad. LXVIII. (3) S. 30. 1873. 
8 Purveys Onderzoek. god. i. li. physiol. L&bor. d. Utrecht. Hoogeschool. uitg. 
d. Donders en Engelmann. III. II. S. 251. 1873. 
9 Alferow, Arch, de physiol. 2. sér. I. p. 694. 1874. 
10 Tärchanoff, Ebenda. 2. sér. II. S. 281. 187U 
11 Foa, Arch. f. pathol. Anat. LXV. S. 284. 1875.
        

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