Volltext: Erster Theil: Blut und Blutbewegung (4)

314 Rollett, Physiol, d. Blutbewegung. 6. Cap. Blutbeweg, in d. Capillargefässen. 
rollen an der Wand des Gefässes und häufig sieht man einzelne der¬ 
selben , trotzdem dass sie von dem rasch bewegten Axenstrome an 
ihrer der Axe zugekehrten Seite tangirt werden, eine Weile an der 
Wand des Gefässes haften. Erst nach einiger Zeit werden sie dann 
plötzlich, wie mit einem Ruck, wieder fortgeschoben. 
Poiseuille 1 hat zuerst den bei der microscopischen Beobachtung 
sichtbaren hellen Raum zwischen der Wand und dem die rothen Blut¬ 
körperchen enthaltenden Axenfaden in Zusammenhang gebracht mit 
der von der Adhäsion der benetzenden Flüssigkeit an die Wand be¬ 
dingten Verzögerung der peripheren Stromfäden, weshalb man jenen 
Raum auch als PoiSEuiLLE’schen Raum oder als unbewegte periphere 
Plasmaschicht bezeichnet. 
Die Angabe von R. Wagner1 2, dass in den Lungen und Kiemen- 
gefässen der PoisEUiLLE’sche Raum fehle und die rothen und weissen 
Blutkörperchen untereinandergemengt fortschreiten, konnte von Gunning3 
nicht bestätigt werden und ist auch von keinem anderen Beobachter wieder 
gesehen worden. 
Die Thatsache, dass sich die rothen Blutkörperchen in den rasch 
bewegten Axenfäden, dagegen die weissen Blutkörperchen in den 
langsamer bewegten Randschichten befinden, haben Donders4 und 
Gunning-5 auf die Gestalt und das specifische Gewicht der Körper¬ 
chen zurückzuführen gesucht. 
Für die farblosen Zellen kommt zunächst die spliäroidische Gestalt 
derselben in Betracht. Da die Stromgeschwindigkeit nach der Axe hin 
zunimmt, wird die Hälfte des Körperchens, welche gegen die Axe hin 
liegt, von rascheren Stromfäden getroffen als die gegen die Wand liegende 
Hälfte, in Folge davon wird sich das Körperchen drehen um eine Axe, 
deren Ebene senkrecht auf der Richtung des Stromes steht, ein Theil 
der bewegenden Kraft, welche auf das Körperchen einwirkt, wird so 
zur Drehung desselben verwendet und darum ist es in der fortschreitenden 
Bewegung verzögert. Daraus soll aber nach Donders und Gunning fol¬ 
gen, dass der Widerstand, welchen der nach der Wand gelegene vordere 
Theil des Körperchens erfährt, geringer ist, als die Kraft, welche der 
Strom auf den hinteren nach der Axe gelegenen Theil des Körperchens 
ausübt und das Ueberwiegen der letzteren über den ersteren bewirke, 
dass das Körperchen, während es sich dreht, gegen die TV and hin be¬ 
wegt wird. 
E. Hering6 bekämpfte diese Folgerung von Donders und Gunning. 
Sie sei nicht bewiesen und auch schwer zu beweisen, weil die in der 
1 Poiseuille a. a. 0. p. 45. 
2 R. Wagner. Beitr. z. vergleich. Physiol. Heft 2. S. 33. 
3 Gunning, Arch. f. d. holländ. Beitr. I. S. 313. 1857. 
4 Donders, Nederl. Lancet. (3) V. p. 130; Physiol, d. Menschen. Deutsch von 
Theile. S. 135. Leipzig IS59. 
5 Gunning a. a. O. 
6 E. Hering, Sitzgsber. d. Wiener Acad. 
Math.-natunv. Kl. LVII. (2) S. 170.1868.
	        
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