Bauhaus-Universität Weimar

284 Rollett, Physiologie der Blutbewegung. 4. Cap. Der Blutstrom in den Arterien. 
austiben, keine ausreichenden Erklärungsmomente für die respirato¬ 
rischen Schwankungen des arteriellen Blutdruckes abgeben. 
Es musste vielmehr nach Einflüssen gesucht werden, welche die 
genannten beschleunigenden und verzögernden Kräfte nicht nur zu 
compensiren, sondern vielmehr überzucompensiren im Stande sind. 
Als solche schienen sich aber die bei der In- und Exspiration 
geänderte Bluterfüllung des Herzens und die geänderte Schlagfolge 
des Herzens darzubieten (Einbrodt1). 
Die Zunahme des negativen intrathoracischen Druckes bei der 
Inspiration muss beschleunigend auf den Eintritt des Blutes von den 
Venen her in die im Brustraume gelegenen Venen und ins Herz 
wirken, so dass während der Inspiration das Herz mehr Blut em¬ 
pfängt und somit auch jeder Herzschlag mehr Blut entleert als bei 
der Exspiration, bei welcher in Folge der Abnahme des negativen 
intrathoracischen Druckes der venöse Zufluss zum Brustraum verzö¬ 
gert und mit jedem Herzschlag weniger Blut entleert wird (Ein¬ 
brodt). Dazu kommt aber noch, dass die Anzahl der Herzschläge 
in der Regel während der Inspiration zunimmt, während der Exspi¬ 
ration dagegen abnimmt (Einbrodt2, Kuhn3). 
Die Veränderung der Schlagfolge des Herzens ist nervöser 
Natur (Einbrodt4, Hering5). Sie ist bei der complicirten Einrich¬ 
tung des regulatorischen Herznervenapparates für die natürliche In- 
und Exspiration in ihrer Abhängigkeit vom Nervensystem noch nicht 
vollständig aufgedeckt und auch die Abweichungen von der ange¬ 
führten Regel sind noch nicht allseitig aufgeklärt (s. die Lehre von 
der Innervation des Herzens). Ist die Veränderung der Schlagfolge im 
obigen Sinne vorhanden, entleert sich also das während der Inspi¬ 
ration stärker gefüllte Herz auch noch öfter in der Zeiteinheit, als 
das während der Exspiration weniger stark gefüllte Herz, so wer¬ 
den beide Momente vermehrte Bluterfüllung des Herzens und erhöhte 
Schlagzahl die Wirkung, welche die verzögernden Kräfte der Thorax¬ 
wandungen und der Lungen allein bei der Inspiration auf den arte¬ 
riellen Blutdruck austiben würden, um so mehr übercompensiren und 
ebenso wird bei der Exspiration die Wirkung der verminderten Bluter¬ 
füllung und Schlagfolge des Herzens um so mehr compensatorisch auf 
die beschleunigenden Kräfte der Thoraxwandungen und der Lungen 
wirken. Den beschleunigenden und verzögernden Kräften der Brust- 
1 Einbrodt a. a. 0. 
2 Einbrodt a. a. 0. 
3 Kuhn a. a. 0. 
4 Einbrodt a. a. 0. 
5 Hering, Sitzgsber. d. Wiener Acad. LXIV. (2) S. 333. 1871.
        

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