Volltext: Erster Theil: Blut und Blutbewegung (4)

Klappenschlusselevation ; Verschiedenheit der Pulsbilder. 
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lernt haben, unterscheidet Landois1 noch die sogenannten Elasticitäts- 
elevationen, weil er sich vorstellt, dass sie entstehen dadurch, dass die 
Arterienwand durch die Blutwelle nur unter Oscillationen aus ihrer Gleich¬ 
gewichtslage gebracht werde und unter Ocillationen in dieselbe zurück¬ 
kehre. Dass solche eigene Schwingungen der Röhrenwand, die schon 
früher einmal ganz unberechtigt zur Erklärung des Pulsphänomens über¬ 
haupt angenommen wurden (Frey)'2, existiren, ist nicht erwiesen. Für 
elastische Schläuche lehnt sie Moens ab, indem er darauf hinweist, dass 
die Schliessungswellen in elastischen Schläuchen keine regelmässige Wellen¬ 
linie bilden, sondern eine Curve, in welcher neben den grösseren viele 
kleinere Hebungen Vorkommen. 
Bei der grossen Abhängigkeit, welche die Form der Pulscurve 
von der Herzthätigkeit, dem Blutdrücke und den Eigenschaften der 
Gefässwand zeigt und bei den vielfachen Complicationen, welche 
diese Factoren während der Lebensvorgänge durch allgemeine oder 
örtliche Variationen setzen, ist es begreiflich, dass wir die mannig¬ 
faltigsten Pulsbilder erhalten können, ohne dass es uns gelänge, 
sie in ihren Details völlig zu entziffern und dass wir hier noch wesent¬ 
lich auf empirische Thatsachen angewiesen sind, die darum mit Vor¬ 
sicht aufgenommen werden müssen. 
Mosso3 wies in einer grösseren Versuchsweise auf die Aende- 
rungen hin, welche die Form der Pulscurve erleidet durch Hirn- 
thätigkeit, Wachen und Schlafen, durch Nahrungsaufnahme durch 
Einathmung von Amylnitrit und beim Fieber* dabei zeigte sich, dass 
Zahl und Ort der catacroten Erhebungen die mannigfachsten Ver¬ 
änderungen erleiden, anacrote Hebungen auftreten und wieder schwin¬ 
den können. Durch einseitige Temperaturwirkungen, Compression, 
Nachwirkung einer Unterbrechung des Blutlaufes, durch willkür¬ 
liche oder mit Inductionsschlägen hervorgebrachte Muskelcontractio- 
nen konnte er in beiden Vorderarmen bis auf die Frequenz vollkom¬ 
men differente Pulsbilder hervorbringen. Man muss annehmen, dass 
solche locale Aenderungen wieder rückwirken auf das Pulsbild der 
Hauptröhren. (Ueber den Einfluss der Gehirnthätigkeit auf die Puls¬ 
curve, vergleiche auch Thanhoffer4, über den Einfluss des Trin¬ 
kens von kaltem und heissem Wasser Winternitz5, Glax & Klemen- 
siewicz6.) Ueber den Einfluss der Athembewegungen auf den Puls 
wird später gehandelt werden. 
1 Landois a. a. 0. 
2 Frey, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1845. S. 132. 
3 Mosso, Die Diagnostik des Pulses in Bezug auf die locale Veränd. desselben. 
Leipzig 1879. 
4 Thanhoffer, Arch. f. d. ges. Physiol. XIX. S. 254. 1879. 
5 Winternitz, Ztschr. f. pract. Heilk. 1866. 
6 Glax u.KLEMENSiEwicz,Mitth.d.Ver.d.Aerztein Steiermark. 1876—77. S. 19.
	        
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