Bauhaus-Universität Weimar

Einwürfe gegen das Quecksilbermanometer, Theorie desselben. 
237 
Gleichgewichtslage zurück u. s. f. Man hat diese Pendelbewegungen 
des Quecksilbers als Eigenschwingungen desselben bezeichnet. Sie 
würden sich unendlich lange fortsetzen, wenn die Bewegung nicht im 
widerstrebenden Mittel stattfände und keine Reibung der Flüssigkeit 
vorhanden wäre. Durch diese Widerstände werden die Schwingungen 
so gedämpft, dass die Flüssigkeit nach einigen Schwingungen wieder 
zur Ruhe kommt. Begreiflicher Weise sind die Widerstände viel 
grösser, wenn auf das eine Niveau des Quecksilbers der Blutdruck 
wirkt. Vieroedt1 2 glaubte nun, dass bei der Uebertragung von Druck¬ 
schwankungen auf das Quecksilber der durch diese allein bedingte 
Schwingungszustand durch das fortwährende Eingreifen der in Folge 
der Trägheit erhaltenen Eigenschwingungen fortwährend gestört werde. 
Er stützte sich dabei noch auf mathematische Deductionen Redten- 
bacher’s-, die seiner Anschauung das Wort redeten. Fick3 wendete 
aber gegen Redtenbacher ein, dass derselbe einen sehr wesentlichen 
Factor bei seinen Rechnungen nicht beachtet habe, nämlich den 
Widerstand. Wird dieser berücksichtigt, dann gelangt man für das 
Manometer zu einem schon früher von Seebeck4 bei anderer Ge¬ 
legenheit begründeten Satz, dass sich zwei Schwingungsweisen über- 
einanderlegen, eine von der Periode der Blutdruckschwankungen, 
die zweite, welche das aus der Gleichgewichtslage gebrachte Queck¬ 
silber für sich annehmen würde, welche letztere aber durch die 
Widerstände bald unmerklich wird. 
Die Zeit, wann das eintritt, ist aber in hohem Grade von den 
bestimmt gegebenen Werthen der variablen Bedingungen abhängig. 
Später haben Mach5 und Kries6 die Theorie der Manometerbewe¬ 
gung entwickelt. 
Die Beantwortung der Frage nach der Brauchbarkeit des Queck- 
1 Vierordt, Die Lehre vom Arterienpuls. Braunschweig 1855. 
2 Redtenbacher bei Vierordt, Die Lehre vom Arterienpuls etc. S. 11 ; Arch, 
f. physiol. Heilk. 1858. S. 135. 
3 Fick, Med. Physik. 1. Aufl. S. 470. Braunschweig 1856. 
4 Seebeck, Dove’s Repert. d. Physik. VIII; Ann. d. Physik. LXII. S. 289. 
5 Mach, Sitzgsber. d. Wiener Acad. XLVI.(2) S. 157. 1862; XLVII. (2) S. 33. 
1863 ; Jahrb. d. Ges. d. Aerzte. Heft 4. S. 43. Wien 1862. 
. 6 Kries, Arch. f. (Anat. u.) Physiol. 1878. S. 419. Ist l die Länge, Q der Quer¬ 
schnitt, <7 das specifische Gewicht des Quecksilbers, so ist IQa die zu bewegende 
Masse. Die Bewegung derselben wird bestimmt durch die Kraft, welche sie in 
die Gleichgewichtslage zurückzuführen sucht, durch den Druck, der auf sie wirkt, 
und durch die Reibung in jedem Moment. Die der Masse ertheilte Beschleuni¬ 
gung kann in jedem Augenblick proportional der algebraischen Summe der drei 
genannten Kräfte angesehen werden. Die erste Kraft ist proportional der Ent¬ 
fernung aus der Gleichgewichtslage, die zweite sei als Function der Zeit gegeben, 
die dritte (äussere Reibung) ist proportional der Geschwindigkeit anzunehmen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.