Volltext: Erster Theil: Blut und Blutbewegung (4)

212 Rollett, Physiologie der Blutbewegung. 2. Cap. Hydraulische Einleitung etc. 
nigung geringer sein, zerfällt die Strombahn während die Erweiterung 
gleich bleibt in sehr viele, sehr dünne Stromzweige, dann wird wegen 
der verhältnissmässig grossen Zunahme der die Reibung bestimmenden 
Oberfläche eine Verzögerung des Stromes eintreten. Im letzteren Falle 
wird aber dann durch Vermehrung der Anzahl der Stromzweige (Er¬ 
weiterung der Strombahn durch Vermehrung der Abfuhrwege) wieder 
eine Beschleunigung des Stromes zu erzielen sein. Die Grenzen der 
beschleunigenden und verzögernden Wirkung der Stromverzweigung sind 
noch gänzlich unbekannt. Eine geringe Anzahl von Versuchen, welche 
Volkmann1 über die Strömung in Systemen verzweigter Röhren anstellte, 
lassen nur eine sehr beschränkte Anwendung auf den Organismus zu. 
Jacobson2 stellte mittelst eines besonderen Apparates das Folgende fest. 
Geht von einem geradlinig verlaufenden Rohre in dessen Mitte ein 
gleichweites Rohr von der halben Länge des Hauptrohres unter einem 
bestimmten Winkel ab, so ist die Summe der in gleichen Zeiten aus 
beiden Enden erhaltenen Ausflussmengen, also auch die Summe der mitt¬ 
leren Geschwindigkeiten bei gleichem Drucke unabhängig von der Grösse 
des Theilungswinkels. Je grösser der letztere ist, desto kleiner wird 
das Verhältnis der Geschwindigkeit des Ausflusses aus dem geradlinigen 
Rohre zur Geschwindigkeit des Ausflusses aus dem Seitenrohre. 
Das Gesetz für den Zusammenhang der Geschwindigkeit im Seiten¬ 
rohre mit der Grösse des Theilungswinkels konnte nicht genau festge¬ 
stellt werden. 
Dis Ausflussmenge aus dem geraden Rohre allein ist kleiner als die 
Ausflussmenge aus geradem Rohre und Seitenrohre zusammen. Die Er¬ 
öffnung des Seitenrohres ist um so weniger wirksam, das Verhältniss 
beider Ausflussmengen nähert sich um so mehr der Einheit, je grösser 
der Theilungswinkel ist. Bei gleichem Theilungswinkel ist jenes Ver¬ 
hältniss um so näher der Einheit, je niedriger der Druck ist. 
Bei Erweiterung der Strombahn durch Eröffnung des Seitenrohres 
sinkt der Druck im Hauptrohre. 
Bei derselben Röhrencombination trat, wenn sie dreitheilig verzweigt 
wurde und alle drei Schenkel flössen, eine bedeutende Erniedrigung des 
Druckes ein. Der Druck war im Stammrohre niedriger als in der gerad¬ 
linigen Fortsetzung nach der Theilung (negative Stauung Volkmann’s), 
eine Erscheinung, welche bei der Zweitheilung nicht beobachtet, wurde. In 
den Seitenröhren war der Druck gleich, wenn beide rechtwinklig vom 
Hauptrohre abgingen. Er stieg, wenn der Theilungswinkel für das eine 
Seitenrohr kleiner wurde, während er in dem anderen Seitenrohre, für 
welches der Theilungswinkel grösser war, sank. 
VII. Der Strom in elastischen Röhren. 
1. Continuirlich.es Ausjliessen bei periodischem Einßiessen. 
Besitzt eine Röhre, in welche Flüssigkeit unter dem Druck einer 
Flüssigkeitssäule von bestimmter Höhe eingetrieben wird, keine starren, 
1 Volkmann, Hämodynamik. S. 54. Leipzig 1850. 
2 Jacobson, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1860. S. 100.
	        
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