Volltext: Erster Theil: Blut und Blutbewegung (4)

Folgerungen ausPoisEuiLLES Gesetz, äussere u. innere Reibung d. Flüssigkeiten. 205 
keitstlieilchen können nur entgegen dieser Anziehung an der Wand vor¬ 
bei bewegt werden. 
Setzt man die Kraft, welche die Verzögerung der Flüssigkeitstheil- 
chen bewirkt1 proportional der Geschwindigkeit und der Grösse der Fläche /] 
in welcher die Berührung stattfindet, so erhält man 
p = s. f{v) 
worin s eine Constante ist, welche man als Coëfficienten der äusseren 
Reibung bezeichnet. Er stellt die verzögernde Kraft dar, welche in der 
Flächeneinheit wirkt, wenn die Flüssigkeit mit der Einheit der Geschwin¬ 
digkeit an der Wand vorüber bewegt wird. Wird die Wand von der 
Flüssigkeit benetzt, wie das auch zwischen Blut und Gefässen der Fall 
ist, so haftet die äusserste Flüssigkeitsschichte fest an der Wand, so dass 
sie als ruhend angesehen werden kann. Ihre Verzögerung und somit e 
ist dann unendlich gross. 
Eine zweite Art von Reibung bei der Bewegung von Flüssigkeiten 
wird dadurch bedingt, dass wegen der Anziehung, welche die Flüssig- 
keitstheilchen auf einander ausüben (Cohäsion) eine ruhende oder verzö¬ 
gerte Flüssigkeitsschichte auch verzögernd auf eine daran vorbei fliessende 
Flüssigkeitsschichte und umgekehrt eine beschleunigte Schicht auch be¬ 
schleunigend auf eine ruhende oder verzögerte Flüssigkeitsschichte wirkt. 
Nimmt man an, dass die Kraft, welche die mit verschiedenen Geschwin¬ 
digkeiten bewegten Flüssigkeitsschichten aufeinander ausiiben, der Grösse 
der Berührungsfläche und der Differenz der parallelen Geschwindigkeiten 
direct, dagegen umgekehrt proportional ist der Entfernung der Schichten 
von einander, so erhält man 
worin rj eine Constante ist, welche nur von der Natur der Flüssigkeit 
und der Temperatur derselben abhängig ist. Man bezeichnet sie als Co¬ 
ëfficienten der inneren Reibung. Seine Definition ist, dass er die Reibung 
ist, welche zwei Flüssigkeitsschichten aufeinander ausüben, deren Be¬ 
rührungsfläche gleich der Flächeneinheit ist, die um die Längeneinheit 
von einander entfernt sind und sich mit Geschwindigkeiten bewegen, deren 
Unterschied gleich der Einheit ist. Die Theorie der Reibung der Flüs¬ 
sigkeiten findet man entwickelt bei Helmholtz2 und O. E. Meyer3. 
In beiden Arbeiten sind auch Versuche mitgetheilt, welche zur Be¬ 
stätigung der Theorie angestellt wurden. Die Versuche führen auf Cou¬ 
lomb's Verfahren zurück. Eine an einem vertical en Drahte im Mittelpunkt 
horizontal aufgehängte Scheibe wird in einer Flüssigkeit in Schwingun¬ 
gen um jenen Mittelpunkt versetzt, und die Schwingungsdauer und die 
constant, logarithm. Décrémenté der eine abnehmende geometrische Pro¬ 
gression bildenden Amplituden bestimmt und mit den gleichnamigen Wer- 
tlien bei Schwingungen in der Luft verglichen. 
1 Vgl. Wüllner, Lehrb. d. Experimentalphysik. 3. Aufl. I. S. 324. Leipzig 1874. 
2 Helmholtz u. Piotrowski, Sitzgsber. d. Wiener Acad. Math.-naturw. CI. XL. 
S. 607. 1860. 
3 O. E. Meyer, Ann. d. Physik. CXIII. S. 55. 193. 383. 1861; Crelle’s Journ. f. 
rein. u. angew. Mathem. LIX. S. 229. 1861.
	        
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