Bauhaus-Universität Weimar

20 Rollett, Physiologie des Blutes. 2. Cap. Die rothen Blutkörperchen. 
für eine active Beweglichkeit derselben sprechen würde. Gegen die 
Annahme, dass die eigentümlichen Veränderungen, welche die Blut¬ 
körperchen durch Entladungsschläge und durch Wärmezufuhr erleiden, 
auf eine active Beweglichkeit derselben hinweisen würden, haben 
Rollett1 und M. Schultze2 5 begründete Verwahrung eingelegt. Wir 
müssen die entwickelten rothen Blutkörperchen als nicht contractile 
Gebilde bezeichnen. 
II. Grösse der rothen Blutkörperchen. 
Die Grösse der Blutkörperchen muss in ganz frisch angefertigten 
und möglichst rasch gegen Verdunstung geschützten Blutpräparaten unter 
dem Microscope bestimmt werden. Den grössten Durchmesser der Schei¬ 
ben an trockenen Blutkörperchen zu bestimmen ist nicht rathsam, denn 
die von C. Schmidt 3 gemachte und von Welker 4 adoptirte Angabe, dass 
möglichst rasch auf eine glatte Glasoberfläche angetrocknete Blutkörper¬ 
chen ihre Dimensionen beim Trocknen nicht ändern, trifft nicht unter 
allen Umständen zu (Manassein '). 
Mittelst eines auf das Normalmaass zurückgeführten Ocularmi- 
crometers hat Welker6 7 als Mittel aus 130 Bestimmungen für die 
menschlichen Blutkörperchen den Durchmesser des grössten Quer¬ 
schnittes der Scheibe zu 7,74 u\ die grösste Dicke der Scheibe zu 
1,90 f.i gefunden. Bei 6 männlichen und 3 weiblichen Individuen 
wurde als Minimum des Durchmessers der Scheibe 4,5 //, als Maxi¬ 
mum 9,7 ii beobachtet. 
Es sollen alle zwischen den Endwerthen vorkommenden Grössen 
die kleinsten ausgenommen sehr gleichmässig vertreten sein. 
Die letztere Angabe Welker’s hat Manassein8 auch für Thiere 
bestätigt gefunden, ebenso die Angabe, dass bedeutende Schwankun¬ 
gen der Durchmesser in demselben Blute Vorkommen. 
Bei Säugethieren wurde als grösste Differenz ein 2,3—2,5 mal 
grösserer Durchmesser der grossen Blutkörperchen im Vergleich zu 
den kleinsten beobachtet und bei der kleinsten Differenz betrug noch 
1 Rollett, Sitzgsber. d. Wiener Acad. 2. Abth. L. S. 190. 1864. 
2 M. Schultze, Arch. f. microscop. Anat. I. S. 1. 18 . 
3 C. Schmidt. Die Diagnostik verdächtiger Flecke. S. 3. Mitau u. Leipzig 1848. 
4 Welker, Ztschr. f. rat. Med. (3) XX. S. 261. 1863. 
5 Manassein, Ueber die Dimensionen d. rothen Blutkörperchen u. s. w. S. 12. 
Berlin 1872. 
6 Welker a. a. O. S. 263. 
7 1 Micron («) = 0,001 Millimeter. Man hat sich zweckmässig darüber ge¬ 
einigt für den obigen Brucktheil des Millimeters, die Benennung Micron oder Micro- 
mi 11 im et,er zu gebrauchen (Harting, Microscop IL S. 230. Braunschweig 1866.) 
8 Manassein a. a. O. S. 16.
        

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