Bauhaus-Universität Weimar

Wirkung von Reagentien, Wärme, Electricität. 
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auf die Blutkörperchen prüfte und fand, dass sich die Blutkörperchen 
bis zu einer gewissen Grenze gar nicht verändern, über diese hinaus blei¬ 
ben sie in Säuren glatt und glänzend, in Alkalien dagegen werden sie 
maulbeerförmig und rauh. Beide Wirkungen sind sehr gut zu sehen an 
den Electroden, wenn Blut mit schwachen Strömen electrolisirt wird 
•'Rollett1, A. Schmidt2, Neumann3). 
i) Erhöhte Temperatur wirkt ebenfalls verändernd auf die Blutkör¬ 
perchen ein, die Veränderungen sind sehr eigenthiimlich. Bei 52° C. 
bekommen sie erst seichte, dann tiefere Einkerbungen, welche weiterhin 
zu kugeligen Abschnürungen, zum Austreiben perlenschnurartiger Fäden 
und zu einem Zerfall der Blutkörperchen in grössere und kleinere kugelige 
gefärbte Theilstücke führen, die später ihren Farbestoff an die umgebende 
Flüssigkeit entlassen (M. Schultze4). 
Eine ähnliche Zerklüftung der Blutkörperchen wurde bei Zusatz von 
Harnstofflösungen zum Blute (Hünefeld5, Kölliker6, Botkin7, Hensen8 
und Andere), und in Blutextravasaten innerhalb der Gewebe des lebenden 
Körpers beobachtet. 
k) Die Veränderungen, welche die Blutkörperchen durch den Ent- 
ladungsstrom der Leidner Flasche erleiden9, sind in doppelter Hinsicht 
bemerkenswerth wegen der dabei an den Blutkörperchen zu beobachten¬ 
den microscopischen Bilder und zweitens wegen der Beziehungen, in wel¬ 
chen die durch die Wirkung des Stromes auf die Körperchen bedingten 
Veränderungen des Blutes zur Vertheilung des Stromes stehen. Wenn 
das Blut in Form verschieden gestalteter Leiter in den Schliessungsbogen 
der Leidner Flasche aufgenommen wird, so wird es durch eine Reihe 
von Entladungsschlägen lackfarbenähnlich durchsichtig. Benützt man die 
Anzahl der für den Eintritt des überhaupt erreichbaren Maximum der 
Aufhellung nothwendigen Entladungen als Maass für die Stärke der auf¬ 
hellenden Wirkung des Entladungsstromes, so kommt man zu folgenden 
Schlüssen: Die Wirkungen der aufeinanderfolgenden Entladungen addi- 
ren sich. In jedem Element des aus dem Blute gebildeten Leiters ist die 
Aufhellung abhängig von der auf die Einheit des Querschnittes bezogenen 
Intensität d. i. von der Dichte des Entladungsstromes, mit welcher sie 
proportional zunimmt. Sie ist ferner abhängig von einer Grösse, welche 
man als specifische Resistenz der Blutkörperchen bezeichnen kann, die 
in verschiedenen Blutarten verschieden ist und mit deren Zunahme die 
aufhellende Wirkung des Stromes abnimmt. 
Bei egebener specifischer Resistenz der Blutkörperchen, bei gegebe¬ 
nen Dimensionen des aus Blut gebildeten Leiters und gegebenem specifischen 
1 Rollett, Sitzgsber. d. Wiener Acad. 2. Abth. XL VIL S. 359. 1863; 2. Ahth. 
LU. S. 257. 1865. 
2 A. Schmidt, Arch. f. pathol. Anat. XXIX. S. 29. 1864; Hämatolog. Studien 
S. 116. Dorpat 1865. 
3 Neumann, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1865. S. 682. 
4 M. Schultze, Arch. f. niicroscop. Anat. I. S. 1. 1865. 
5 Hünefeld, Der Chemismus in der thier. Organisation S. 60. Leipzig 1840. 
6 Kölliker, Ztschr. f. wissensch. Zool. VII. S. 1S4 u. 253. 1855. 
7 Botkin, Arch. f. pathol. Anat. XX. S. 37. 1860. 
8 Hensen. Ztschr. f. wissensch. Zool. IX. S. 264. 1S57. 
9 Rollett, Sitzgsber. d. Wiener Acad. 2. Abth. XLVII. S. 356. 1863; 2. Abth. 
XLVIII. S. 178. 1864.
        

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