Bauhaus-Universität Weimar

108 Rollett, Physiologie des Blutes. 5. Cap. Eiweisskörper d. Blutserum u. -plasma. 
andere Hälfte nicht. Es zeigte sich das Blut in der ersteren Hälfte 
geronnen, in der letzteren nicht offenbar, weil die Eigenschaften der 
Gefässwand in der ersteren durch die Wirkung des Ammoniaks ver¬ 
ändert waren, in der letzteren nicht, 
Nach Richardson hätte man das Umgekehrte erwarten müssen, 
da er behauptete, die Gerinnung des Blutes beruhe darauf, dass aus 
dem abgelassenen Blute Ammoniak entweicht. Auf die Gerinnungs¬ 
theorie Richardson’s hier näher einzugehen, unterlassen wir, sie ist 
längst widerlegt. Dasselbe gilt von der gekünstelten Lehre Mathieu’s 
& Urbain’s1, der zufolge das Fibrin durch die während des Lebens 
von den Blutkörperchen gebundene Kohlensäure gefällt werden soll, 
wenn dieselbe beim Ablassen des Blutes durch Sauerstoff aus den 
Blutkörperchen ins Plasma ausgetrieben wird. 
Mathieu & Urbain wurden von Gautier'2, Glenard3 und Fré- 
dericq4 widerlegt. 
Die oben auseinandergesetzte Thatsache, dass durch den Einfluss 
der Gefässwand der Ablauf einer Reihe von Erscheinungen am Blute 
gehemmt wird, die auftreten, wenn das Blut dem Einfluss der Ge¬ 
fässwand entzogen ist, stellt uns offenbar vor die Frage, welcher Art 
dieser Einfluss ist. 
Die Aussicht, an die Lösung derselben heranzutreten, hat sich 
uns erst eröffnet durch die bessere Kenntniss der inneren Vorgänge 
bei der Gerinnung des Blutes, zu deren Darstellung geschritten wer¬ 
den soll, nachdem wir vorerst noch das feste Product der Gerinnung, 
den Faserstoff näher kennen gelernt haben werden. 
IV. Das Fibrin. 
Das Fibrin (Faserstoff) wird, wie erwähnt, in Form fadiger 
Flocken beim Ausschlagen oder in Form von gallertigen Stücken 
durch Zerschneiden des Blutkuchens gewonnen. Im ersteren Falle 
ist es von den Einschlüssen leichter zu reinigen als im letzteren Falle. 
Man wäscht es so lange mit destillirtem Wasser, bis es völlig weiss 
erscheint. 
Das nach der Extraction mit Wasser noch mit Alkohol und Aether 
zur Entfernung der löslichen Substanzen und Fette extrahirte Fibrin 
ist als reines Fibrin oft analysirt worden. 
1 Mathieu et Urbain, Compt. rend. LXXIX. p. 665 et 698. 1874. 
2 Gautier, Compt. rend. LXXX. p. 1360, LXXXI. p. 899. 1875. 
3 Glenard, Compt. rend. LXXXI. p. 102, 897. 1875. 
4 Frédéricq, Recherch. sur la constit. du plasma sanguin. Gand 1878.
        

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