Bauhaus-Universität Weimar

106 Rollett, Physiologie des Blutes. 5. Cap. Eiweisskörper d. Blutserum u. -plasma. 
Blutkörperchen sich rasch senken, wie das z. B. heim Pferdeblut nor¬ 
maler Weise der Fall ist. 
Der Vorgang der Blutgerinnung ist, wie sich ergehen wird, ein 
sehr complicirter und die Bildung des Fibrins von einer Reihe von 
Factoren abhängig, die einzeln veränderlich gedacht werden müssen 
und im Hinblick darauf kann uns das Schwankende in den voraus¬ 
gehenden Beobachtungen nicht besonders auffallen. Als Einflüsse, 
welche die Gerinnung des Blutes verzögern, haben wir schon früher 
niedrige Temperaturen, den Zusatz gewisser Salze und von Zucker¬ 
lösung kennen gelernt, ähnlich wirkt auch das Glycerin1. Verzögernd 
wirken ferner auch geringe Zusätze von Alkalien und Säuren. Wird 
Blut schwach angesäuert und darauf wieder mit Ammoniak genau 
neutralisirt, so verliert es seine Gerinnbarkeit vollständig (Brücke2). 
Bei der sogenannten Hämophilie (Bluterkrankheit) geht dem Blute 
die Fähigkeit ab zu gerinnen. Dasselbe beobachtet man an dem 
Capillarblut von Leichen (Virchow3, Falk4). Letzterer hat für den 
Verlust der Gerinnbarkeit im Capillarblut der Leichen eine Erklärung 
gesucht, die später erwähnt werden (S. 120) soll. 
Beschleunigt wird die Gerinnung durch mässiges Erwärmen des 
Blutes (Hewson5). Die Gerinnung des Blutes ist mit einer geringen 
Wärmeentwicklung verbunden (Schiffer6, Lépine7). 
Als man anfing, über die Ursachen der Blutgerinnung nachzu¬ 
denken, drängten sich den Beobachtern zunächst vier Momente auf, 
in welchen die Veranlassung der Blutgerinnung gesucht werden konnte. 
Die Abkühlung, welche das Blut erleidet, wenn es aus den Adern 
des lebenden Thieres entfernt wird, die allerdings nur bei den Warm¬ 
blütern einigermassen bedeutend, bei den Kaltblütern dagegen nur 
unbedeutend ist; das Auf hören der Bewegung, in welcher das Blut 
während des Lebens durch die fortwährende Thätigkeit des Herzens 
erhalten wird ; die Berührung mit der atmosphärischen Luft, in welche 
frei aus den Adern laufendes Blut gelangt ; ferner der Umstand, dass 
das Blut der Berührung mit seinen natürlichen Behältern entzogen 
und mit fremden Körpern, Glas, Metall etc. in Berührung kommt. 
Dass die Abkühlung die Ursache der Blutgerinnung nicht ist, wurde 
schon von Heavson8 enviesen, der zeigte, dass die Abkühlung die 
1 Grünhagen, Ztschr. f. rat. Med. XXXYI. (3) S. 239. 1869. 
2 Brücke, Arch. f. pathol. x\nat. XII. S. 81. 1857. 
3 Virchow, Cellularpathol. 4. Aufl. 1871. S. 194. 
4 F. Falk, Arch. f. pathol. Anat. LIX. S. 26. 1873. 
5 Hewson a. a. 0. 
6 Schiffer. Arch. f. Anat. u. Physiol. 1868. S. 457. 
7 Lépine, Gaz.méd. 1876. p. 155. 
8 Hewson a. a. 0.
        

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