Volltext: Ueber die Gesetze der Ermüdung: Untersuchungen an Muskeln des Menschen

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Angelo Mosso: 
schreibt er die Curve 3. Die Ermüdung ist also keine centrale, sondern eine 
peripherische. Es ist nicht der Wille, es sind nicht die Nerven allein, auch 
der Muskel ist es, welcher in Folge einer intensiven Arbeit des Gehirns 
erschöpft ist. Diese Thatsache bewies ich durch wiederholte Versuche und 
halte es für überflüssig, andere Curven hierüber zu bringen; auch durch 
Reizung des N. medianus erhielt ich das nämliche Resultat. 
Der Verbindungswege zwischen Gehirn und Muskeln giebt es zwei: die 
Nerven und die Blutgefässe. Bezüglich der Nerven besitzen wir in der 
Physiologie bisher keine einzige Thatsache, die uns die Uebertragung der 
Ermüdung oder irgend eines Productes derselben längs der Nerven so ver- 
muthen liesse, dass die excessive Arbeit des Gehirns sich auf die Peripherie 
fortpflanzen und den Muskel zur Thätigkeit unfähig machen könne. Der 
Weg der Blutgefässe dagegen dient besser zur Erklärung der beobachteten 
Thatsache. Wir können annehmen, dass durch die gesteigerte Arbeit des 
Gehirns die Zersetzungsproducte in den Kreislauf kommen, welche die Muskeln 
vergiften und sie unfähig machen, ihre volle Energie zu entfalten, oder 
aber man kann vermuthen, dass während der gesteigerten Arbeit des Ge¬ 
hirns die Muskeln dem Blute einen Theil der Substanzen überlassen haben, 
welche sonst für ihre eigene Thätigkeit gedient hätten. Es würde sich hier 
wiederholen, was wir während des Hungers beobachten, nämlich, dass die 
weniger edlen Organe die Vorräthe an Substanzen, welche ihrer eigenen 
Energie dienen sollten, der Nervensubstanz überlassen, um den Verlust 
auszugleichen, den die Nervenzellen erleiden. 
Wir werden sehen, dass die erste dieser zwei Hypothesen die wahrschein¬ 
lichere ist. Ich habe gemeinsam mit Dr. Maggiora über den Einfluss des 
Hungers und der Speise auf die Muskelermüdung eine Reihe von Forschungen 
gemacht. Die Resultate derselben werden in Capitel X der nächsten Ab¬ 
handlung dargelegt werden. Indessen kann ich einige Resultate dieser 
Studien des Dr. Maggiora vorausschicken und sagen, dass die durch 
Hunger erhaltenen Curven so sehr denjenigen ähneln, welche der Gehirn¬ 
ermüdung zukommen, dass man die beiden mit einander verwechseln könnte. 
Aber auch durch anstrengende Märsche und mittels langer Nachtwachen 
erhielt Dr. Maggiora ähnliche Resultate, und wir werden sehen, dass die 
Curven, welche er in Capitel VIII und IX seiner Abhandlung veröffent¬ 
lichen wird, durch die Verminderung der Kraft und durch die Art und 
Weise, in welcher die Höhe der Contractionen abnimmt, mit den vorher¬ 
gehenden Curven identisch sind. Ungeachtet der grossen Aehnlichkeit des 
Profils dieser Curven, besteht aber unter ihnen ein charakteristischer 
Unterschied, welcher sie zwei Reihen deutlich getrennter Erscheinungen 
bilden lässt. 
Die durch Hunger bewirkte Schwäche des Muskels unterscheidet sich
	        
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