Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Gesetze der Ermüdung: Untersuchungen an Muskeln des Menschen
Person:
Mosso, Angelo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5539/24/
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Angelo Mosso: 
Linie ist. Gegenüber den von Tiegel1 bestätigten Resultaten Kronecker’s 
sagt Hermann, dass er dagegen „sowohl bei gewöhnlicher als bei genauer 
Nachahmung des Tiegel’schen Verfahrens stets diese Linie nach unten 
convex gekrümmt fand.“ Rossbach und Harteneck fanden, dass die 
Ermüdungscurve des in gleichen Zeitintervallen durch seinen Nerven 
maximal gereizten, belasteten, aus dem Kreisläufe ausgeschaltenen Warm¬ 
blütermuskels eine gerade Linie ist, und durch die Versuche am blut- 
durchströmten Warmblütermuskel erhielten Rossbach und Harteneck 
für den Gang der gesammten Ermüdung eine Linie, die sich mit concaver 
Krümmung Anfangs rascher, später langsamer der Abscisse nähert. 
Bei den am Menschen angestellten Untersuchungen habe ich gefunden, 
dass die Ermüdungscurve der Muskeln oft eine gerade Linie sein kann, 
oder eine Linie, die sich der geraden so sehr nähert, dass es unmöglich 
wäre festzustellen, welcher Curve die Linie entspreche, die durch die Höhe¬ 
punkte der Contractionen geht. Die Ermüdungscurven können durch eine 
gerade Linie in zwei verschiedenen Versuchsbedingungen dargestellt werden, 
nämlich unter Verhältnissen, welche jenen ähneln, unter denen Kronecker 
experimentirte, ferner unter anderen Verhältnissen, 
Indem ich mich in die gleichen Verhältnisse versetzte, unter denen 
Kronecker an Fröschen experimentirte, nämlich, indem ich das Gewicht 
und den Reiz regelte, so dass der Muskel eine grosse Anzahl — nicht 
unter 100 — von Contractionen gab, erhielt ich oft beim Menschen Curven, 
welche in gerader Linie abstiegen. Es ist jedoch nicht leicht, diesen Gang 
der Ermüdung bei allen Personen zu beobachten, wenngleich es sich nur 
darum handelt, den richtigen Grad der Erregung und des zu hebenden 
Gewichtes zu finden, damit der Muskel langsam ermüde, indem er eine 
grosse Anzahl von Contractionen macht. 
Der Kürze halber berichte ich nur über einen einzigen dieser Versuche, 
der auch in anderen Beziehungen interessant ist. Dr. Maggiora erhält 
auf den N. medianus die Oeffnungsschläge eines Inductionsstromes von der 
Reizstärke 6500. Die Elektroden waren unten in der Nähe des Ellbogens, 
aber entsprechend dem Nerven in der Weise angebracht, dass nach oben 
gegen die Achsel zu noch genug Raum blieb, die Oberarmarterie zu com- 
primiren. Der Mittelfinger hebt das Gewicht von 400 s™ alle zwei Se- 
cunden. Die Fig. 24 wurde durch die Photographie auf die Hälfte re- 
ducirt. 
In dem mit einem Pfeil bezeichneten Punkte A beginnt die Compression 
der Arterie, wobei der Radialpuls sofort verschwindet. 
Wir sehen, dass gleich darauf die Contractionen an Höhe zunehmen. 
1 Tiegel, Pflüger’s Archiv u. s. w. 1876. Bd. XII. S. 133.
        

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