Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Abhängigkeit der Erregungs-Vorgänge von dem zeitlichen Verlaufe der zur Reizung dienenden Elektricitäts-Bewegungen
Person:
Kries, Johannes A. von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5363/6/
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v. Kbies: 
Yon diesem Princip der Stromabstufung ausgebend, ist nun leicht ersicht¬ 
lich, dass man einen im Nerven linear ansteigenden Strom erhält, wenn 
die eine Elektrode etwa mit dem Punkte c jenes Leiters in Yerbindung 
steht, die andere dagegen mit constanter Geschwindigkeit an demselben 
entlang gleitet. Hierbei entsteht als erste technische Schwierigkeit die, 
dieses Gleiten mit genügender Geschwindigkeit und ohne Gefährdung des 
Contacts auszuführen, eine zweite aber, wenn die Aufgabe gestellt wird, 
dass der Strom nur bis zu einem gewissen Werth linear an wachsen und 
sodann aber auf der erreichten Höhe sich constant erhalten soll. Beide 
Schwierigkeiten lassen sich überwinden, wenn man als linearen Leiter eine 
mit einem Elektrolyten angefüllte Rinne verwendet, in welcher entlang eine 
eintauchende Metallspitze sich bewegt, gerade wie es auch bei dem Fleischl- 
schen Rheonom geschieht. Man kann sich leicht davon überzeugen, dass hierbei 
selbst recht erhebliche Geschwindigkeiten der Spitze ertheilt werden können, ohne 
dass Störungen des Contactes ein- 
treten und auch ohne dass das 
unbequeme Spritzen und Schleu¬ 
dern der Flüssigkeit sich bemerk- 
lich macht. In unseren Versuchen, 
bei welchen eine Spitze von etwa 
1 mm Durchmesser in einer Rinne 
von 8mm Breite und 1cm Tiefe 
lief, konnte man der Spitze Ge¬ 
schwindigkeiten von 1500 mm pro 
Secunde ohne Störungen erthei- 
len. Die gewöhnlich benutzte 
betrug nahe 800 mm pro Secunde. 
Die zweite der soeben erwähnten 
Anforderungen würde erfüllt werden, wenn es möglich wäre die sich bewegende 
Spitze an einer bestimmten Stelle der Rinne plötzlich festzuhalten. Dies gelingt 
selbstverständlich nicht in befriedigender Weise. Man erreicht aber dasselbe, 
indem man nur einen Theil der Rinne vom galvanischen Strom durch- 
fliessen lässt und der Spitze eine Bewegung über die zuleitenden Elektro¬ 
den hinaus gestattet. Obwohl, wie vorher erwähnt, es wünschenswerth ist, 
dass die zuleitenden Elektroden den ganzen Querschnitt der Rinne ausfüllen, 
so schadet es doch nicht, wenn dieselbe einen kleinen Ausschnitt besitzen, 
welcher der Spitze den Durchgang gestattet. Wenn also (Fig. 2) AB die 
Rinne, ab die zuführenden Elektroden wären, so stellten die nicht durch¬ 
flossenen Stücke a A und bB sozusagen todte Arme dar, welche mit der 
Umgebung von a bezw. b durchweg auf gleichem Potentialniveau sich be¬ 
finden. Wird nun die eine Nervenelektrode mit dem festen Stück c ver- 
Schema der Herstellung einer linearen 
Stromschwankung durch eine Flüssigkeits¬ 
rinne mit drei festen Elektroden ab c und 
einer beweglichen d, welche durch diese 
hindurchgeleitet.
        

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