Volltext: Ueber die Abhängigkeit der Erregungs-Vorgänge von dem zeitlichen Verlaufe der zur Reizung dienenden Elektricitäts-Bewegungen

Abhängigkeit der Erregung vom zeitlichen Verlauf der Ströme. 363 
Mau sieht, dass bei den Momentaureizen die secuudäre Wirksamkeit 
bei einer Zuckungshöhe des primären Muskels von ca. I7mm beginnt, bei 
den Zeitreizen dagegen erst bei über 24mm spurwei.se auftritt. 
Zum Zwecke genauerer Ermittelung wurde zunächst zur Benutzung 
eines anderen Praeparates übergegangen. Der Semimembranosus und Gra¬ 
cilis (oder auch nur einer der beiden Muskeln) wurde zur Beizung und Beob¬ 
achtung der negativen Schwankung verwendet. Sie wurden an ihrem unteren 
Ende mit thermischem Querschnitt1 versehen und sodann dieser und der 
natürliche Längsschnitt des Muskels mit unpolarisirbaren Elektroden aus¬ 
gerüstet. Die Ableitung geschah so, dass die Bewegungen der Muskeln gar 
nicht durch dieselbe beeinträchtigt wurden und auch aufgezeichnet werden 
konnten. Führt man diesen ableitenden Bogen zu dem Ischiadicus eines 
anderen Froschschenkels, so hat man ein indirect angelegtes secundäres 
Praeparat. Die Erscheinungen an demselben sind ganz dieselben wie bei 
directer Anlegung des Nerven an den Muskel. Andererseits kann der Strom 
bequem compensirt und seine Veränderungen im Elektrometer beobachtet 
werden. Hier zeigt sich zunächst, dass bei den Zeitreizen ebenso 
wie bei den Momentanreizen ein einfacher, schnell verlaufen¬ 
der Ausschlag des Elektrometers eintritt, welcher die negative 
Schwankung des Längsquerschnittsstromes anzeigt. Derselbe 
dauert jedenfalls nur einen Bruchtheil einer Secunde. Ein Intermittiren 
oder eine Discontinuität, etwa eine Zusammensetzung aus mehreren An- 
stössen ist nicht wahrzunehmen. Auch wenn mit Hülfe des strobosko¬ 
pischen Verfahrens der einfache Ausschlag in eine Bogenlinie auseinander 
gezogen wurde, war nichts derartiges zu entdecken. 
Ein wichtiger Aufschluss über die zeitlichen Verhältnisse der nega¬ 
tiven Schwankimg lässt sich nun zunächst gewinnen, wenn man dieselbe 
Schwankung abwechselnd auf den Nerven eines secundären Praeparates und 
auf das Capillarelektrometer einwirken lässt. Es ist leicht ersichtlich, dass 
man in der gleichzeitigen oder abwechselnden Anwendung zweier Kheoskope 
von verschiedener Beschaffenheit sich das denkbar feinste Reagens auf 
Differenzen im zeitlichen Verlauf kurz dauernder Ströme verschaffen kann. 
So zeigt sich ja der Unterschied in dem zeitüchen Verlauf der Oeffnungs- 
uud Schliessungs-Inductionsschläge leicht darin, dass beide auf den Nerven 
verschieden, auf die Bussole dagegen gleich stark wirken. Allgemein werden, 
wenn man Rlieoskope benutzt, von denen wenigstens das eine hinsichtlich 
seiner Beweglichkeit den Zeitwerten der zu beobachtenden Stromstösse 
vergleichbar ist, zwei Stromstösse verschiedenen zeitlichen Verlaufs, wenn 
sie auf das eine gleich stark wirken, auf das andere ungleich starke V'ir- 
1 E. du Bois-Reymon d, Gesammelte Abhandlungen. Bd. II. S. 408.
	        
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