Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Abhängigkeit der Erregungs-Vorgänge von dem zeitlichen Verlaufe der zur Reizung dienenden Elektricitäts-Bewegungen
Person:
Kries, Johannes A. von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5363/25/
Abhängigkeit deb Erregung vom zeitlichen Verlauf der Ströme. 361 
Ganz unmöglich erwiese sich aber diese Vorstellung der Thatsache gegenüber, 
dass in erheblicher Breite mit zunehmender Dauer einer Schwankung 
von bestimmter Steilheit die Zuckungsgrössen zunehmen. Denn man kann 
natürlich nicht die Grössenzunahme der Zuckung ausschliesslich dahin deuten, 
dass successive immer mehr und mehr Elemente in Thätigkeit gerathen. 
Weit correcter als die bisher besprochenen Methoden, welche über die 
Dauer der Erregung nur indirect Aufschluss geben, erschien natürlich die 
Untersuchung der elektromotorischen Erscheinungen, welche ja schon z. B. 
bei der gewöhnlichen Tetanisirung des Muskels durch Inductionsströme den 
zeitlichen Verlauf der Erscheinungen so viel genauer zu verfolgen gestatten 
als die mechanische Erscheinungsweise. Ich habe mich zunächst der Unter¬ 
suchung der negativen Schwankung des Muskelstroms zugewandt, und zwar 
aus mehreren Gründen; erstlich weil sie leichter ausführbar ist, besonders 
für einmalige Reize, als die analoge für den Nerven, welche noch durch die 
Einmischung der elektrotonischen Erscheinungen complicirt wird; zweitens, 
weil wir hierdurch zugleich über die Art und Weise Aufschluss erhalten, 
wie die Erregung auf den Muskel übertragen wird, ein Punkt, der ja von 
ebenso grossem Interesse ist als die Erscheinung am Nerven selbst 
Zur Untersuchung der Stromschwankung benutzte ich zwei Rheoskope, 
nämlich das physiologische (den stromprüfenden Schenkel), und das 
Capillarelektrometer. Bezüglich der Einrichtung des letzteren muss ich er¬ 
wähnen, dass ich die Anwendung sehr feiner Capillaren erforderlich fand; 
nützlich ist es, die Capillaren so kurz als möglich zu machen und das 
Quecksilber beinahe in die Spitze zu drängen, um den Widerstand mög¬ 
lichst zu verringern. Eine Einrichtung, den Druck zu variiren, ist zu 
diesem Zwecke nothweudig. Will man den Apparat nicht zur Messung 
elektromotorischer Kräfte, sondern nur zur Beobachtung kleiner Ausschläge 
benutzen, so ist er mit den in jedem Institut zur Verfügung stehenden 
Hülfsmitteln leicht in sehr befriedigender Weise zusammengestellt.1 
Fleischl2 hat schon mitgetheilt, dass bei der Erregung durch sein 
1 Vortheilhaft fand ich es häufig, namentlich für die Beobachtung schneller Aus¬ 
schläge, den Quecksilberfaden nicht in durchfallendem Licht zu beobachten, sondern 
dieses ganz schwach zu machen, so dass die Theilung des Ocular-Mikrometers noch 
gerade deutlich zu erkennen ist, und die Quecksilbersäule von vorne her scharf zu be¬ 
leuchten. Sie erscheint dann als ein scharf begrenzter, sehr glänzender Lichtfaden; 
die Zuckungen desselben lassen sich gut bestimmen, auch wenn sie schnell verlaufen, 
besonders wenn man mehrere gleiche nach einander ausfiihren lässt. Da die beleuch¬ 
tende Gaslampe bei dieser Methode dem Kopfe des Beobachters sehr nahe aufgcstellt 
sein muss, so ist es nothwendig, sich, etwa durch einen Thoncylinder, gegen die strah¬ 
lende Wärme zu schützen und nur in der Richtung zum Capillar-Elektrometer den 
Strahlen durch einen Spalt den Ausweg frei zu lassen. 
* Fleischl, a. a. O. S. 22 des Sep.-Abdr.
        

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