Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (2)

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Gesichtsvorstellungen. 
Verschluss des eineu Ohres diese Richtungslocalisation stört, so muss die 
letztere als eine Function des binauralen Hörens angesehen werden. 
Von einem gewissen Einflüsse kann hierbei schon die relative Intensität 
der Schallempfindung in beiden Ohren sein1), namentlich dann, wenn ge¬ 
wisse Partialtöne des Schalls durch die Resonanz im Gehörgang verstärkt 
werden. Auf letzteres Moment ist vielleicht die Erscheinung zurückzu¬ 
führen, dass Geräusche, in denen in der Regel hohe resonanzgebende 
Obertöne enthalten sind, genauer localisirt werden als einfache Klänge2). 
Wahrscheinlich werden aber auch hier Tast- und Muskelempfindungen bei 
der Unterscheidung mitwirken. Ed. Weber vermuthete, dass das Trommel¬ 
fell seine eigenen Schwingungen empfinde3). Anderweitigen Erfahrungen 
dürfte es mehr entsprechen, an die Thätigkeit des Trommelfellspanners 
zu denken, welcher durch seine unwillkürliche Accommodation an die 
Schallstärke Gehörseindrücke von verschiedener Intensität mit Rewregungs- 
empfindungen von wechselnder Stärke begleitet. 
Dreizehntes Oapitel. 
Besieh tsvor Stellungen. 
Der optische Apparat des Auges, welcher aus den hinter einander 
gelegenen durchsichtigen Medien der Hornhaut, der wässerigen Feuchtig¬ 
keit, der Krystalllinse und des Glaskörpers besteht, bewirkt eine solche 
Rrechung der von äußeren Objecten ausgehenden Lichtstrahlen, dass auf 
der Netzhaut ein umgekehrtes verkleinertes Rild entworfen wird4). Dieses 
Rild zeigt gewisse Ungenauigkeiten, von denen wir hier absehen, da sie 
im allgemeinen auf die Rildung der Wahrnehmung ohne wesentlich stö¬ 
renden Einfluss sind5). Dasselbe fällt ferner nur dann genau auf die 
1) Steinhäuser, Phil. Mag. (5) III, p. 481. 
2) Lord Rayleigh a. a. 0. 
3) Ed. Weber (a. a. 0. S. 30) fand diese Ansicht dadurch bestätigt, dass die Loca¬ 
lisation ungenau wurde, wenn er die Ohrencanäle mit Wasser füllte. Da aber nach 
Versuchen von Schmidekam (Exper. Studien zur Physiologie des Gehörorgans. Diss. 
Kiel 1868, S. 15) der nämliche Erfolg eintritt, wenn das Trommelfell von einem Luft¬ 
raum umgeben bleibt, der seine Schwingungen nicht hindert, so ist es wahrscheinlich, 
dass hier die Unvollkommenheit der Localisation überhaupt nur von der durch die 
Wasseranfüllung bedingten Verminderung der Schallstärke herrührt. 
4) Ueber die optischen Eigenschften des Auges und die Lichtbrechung in demselben 
vgl. mein Lehrbuch der Physiologie, 4. Aufl., § 112ff. 
5) Vgl. ebend. §116—118.
	        
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