Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/86/
76 
Gehörsvorstellungen. 
verschiedener Schwere sein können; niemals aber ist der leichte Takttheil 
von zwei gleich schweren umfasst. Es sind also hier nur die Grundformen 
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und 
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oder 
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möglich, nicht aber 
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Hieraus geht hervor, dass die dreigliedrigen Takte, wenn sie ihrer Bildung 
gemäß dargestellt werden sollten, durchweg mit der Senkung beginnen 
müssten1 2). 
Eine gewisse Anzahl von Takten vereinigt sich zur rhythmischen 
Reihe3); aus einer Anzahl von Reihen baut die rhythmische Periode 
sich auf. Auch diese zusammengesetzteren Bestandtheile des Rhythmus 
sind eingeschlossen zwischen einer unteren und einer oberen Grenze. Die 
untere Grenze entspricht der kleinsten Anzahl einfacherer rhythmischer 
Gebilde, welche zusammengefasst werden können, die obere entspringt 
auch hier aus dem Umfang unserer zeitlichen Auffassung. So besteht die 
kleinste rhythmische Reihe aus zwei Takten, die größte wird, wie die 
musikalische und die poetische Metrik tlbereinstimmend zeigen, durch 
sechs Takte gebildet. In der Musik ist das Mittel zwischen diesen Ex¬ 
tremen, die geradzahlige Pieihe aus vier Takten, die gewöhnliche Form. 
Rhythmische Reihen, welche über den Sechstakt (die Ilexapodie) hinaus¬ 
gehen, lassen sich kaum mehr übersehen. Auch für die Periode (oder 
Strophe) ist wieder zwei die kleinste Zahl Reihen, aus denen sie sich 
zusammensetzt, und sie ist zugleich die gewöhnliche: die erste Reihe bildet 
den Vorder-, die zweite den Nachsatz. Verhältnissmäßig seltener, und 
fast nur in der poetischen Rhythmik, die in dieser Beziehung wegen ihrer 
1) Es könnte scheinen, als wenn die antike Rhythmik diesem Gesetz widerspräche, 
da die Alten bei den dreitheilig ungeraden Takten häufig zwei Hebungen auf eine Sen¬ 
kung unterscheiden. Dies beruht aber, wie Westphal bemerkt, lediglich darauf, dass 
die Alten da, wo ein mittelschwerer Takttheil vorkommt, diesen ebenfalls als Hebung 
zu bezeichnen pflegen. Vgl. Westphal, System der antiken Rhythmik. Breslau 1 863, 
S. 39. 
2) Danach würde die auf S. 74 gebrauchte gewöhnliche Schreibweise in folgende 
umzuändern sein : 
Der 5/g Takt zerfällt in einen drei- und zweigliedrigen : 
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0 oder 
3) Sie wird in der musikalischen Metrik gewöhnlich als Absatz, in der poeti¬ 
schen als Verszeile bezeichnet.
        

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