Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/514/
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Ausdrucksbewegungen. 
bestimmte Combinationen von Bewegungen , die ursprünglich durch den Willen 
verbunden waren, mechanisch zu fixiren, damit, wenn nur ein Glied einer 
Gruppe von Bewegungen im Bewusstsein angeregt wird, sofort das Ganze sich 
reproducirt. 
Zweiimdzwanzigstes Capitel. 
Ausdrucksbewegungen. 
\. Allgemeine Formen der Ans drue ksb e we g un gen. 
Indem sich die Gemtithsbewegungen fortwährend in äußeren Be¬ 
wegungen spiegeln, werden die letzteren zu einem Hülfsmittel, durch 
welches sich verwandte Wesen ihre inneren Zustände mittheilen können. 
Alle Bewegungen, welche einen solchen Verkehr des Bewusstseins mit der 
Außenwelt hersteilen helfen, nennen wir Ausdrucksbewegungen. 
Diese bilden aber nicht etwa eine Bewegungsform von besonderem Ur¬ 
sprung, sondern sie sind immer zugleich Beflexbewegungen oder Willens¬ 
handlungen. Es ist also einzig und allein der symptomatische Cha¬ 
rakter, welcher sie auszeichnet. Sobald eine Bewegung ein Zeichen innerer 
Zustände ist, welches von einem Wesen ähnlicher Art verstanden und 
möglicherweise beantwortet werden kann, wird sie damit zur Ausdrucks¬ 
bewegung. Indem durch sie das Bewusstsein des einzelnen Wesens Theii 
nimmt an der geistigen Entwicklung einer Gesammtheit, bildet sie den 
Uebergang von der individuellen Psychologie zur Psychologie der Gesell¬ 
schaft. 
Die Thiere sind, so viel wir wissen, großenteils beschränkt auf die 
Aeußerung von Gemütsbewegungen1). Erst die höhere Entwicklung des 
Bewusstseins, welche der Mensch erreicht, macht zum Ausdruck mannig- 
1) Dies schließt nicht ans, dass nicht einzelne Thiere auch bestimmte Vorstellungen 
zu äußern vermögen. In der That beobachten wir solches in einem gewissen Grade 
bei unsern intelligenteren Hausthieren. Der Hund z. B. gibt durch nicht zu miss¬ 
deutende Geberden zu verstehen, dass er spazieren gehen will, dass man ihm eine 
Thür öffnen soll, u. dergl. Wenn nun gleich diese Aeußerungen von Affecten ausgehen, 
so enthalten sie doch auch gleichzeitig eine Beziehung auf Vorstellungen. Die gewöhn¬ 
lich gehörte Behauptung, dass das Thier ganz auf die Aeußerung von Gefühlen be¬ 
schränkt sei, geht also jedenfalls zu weit. Vgl. meine Vorlesungen über die Menschen- 
und Thierseele, II, S. B88. Manche Beobachtungen an den in Gesellschaft lebenden 
Insecten, Ameisen, Termiten u. s. w. scheinen ebenfalls auf eine Mittheilung von Vor¬ 
stellungen hinzuweisen. Siehe ebend. II, S. 20 0 ff.
        

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