Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/393/
Successive Associationen. 
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wie ein Glied, dessen Bewegung mit der eines andern eingeübt worden 
ist, mit dem letzteren von selbst in Mitbewegung geräth, so erregt eine 
Vorstellung die gewohnheitsmäßig mit ihr verbundene. Für die Ent¬ 
wicklung des Bewusstseins sind die physischen Processe, welche die Asso¬ 
ciation begleiten, ebenso unerlässlich wie die äußeren Sinneserregungen. 
Ohne die Existenz äußerer Sinnesorgane würden keine Vorstellungen ent¬ 
stehen; ohne jene günstige Beschaffenheit der Centralorgane, welche die 
Wiedererweckung früherer Sinneserregungen möglich macht, würden kei¬ 
nerlei Verbindungen zwischen unsern Empfindungen und Vorstellungen 
sich bilden können. 
Mit Recht hat schon Fr. Galton auf die Nothwendigkeit einer statistischen 
Sammlung von Beobachtungen über die Association hingewiesen. Galton selbst 
wählte hierzu folgendes Verfahren1). Er ließ beim Anblick eines ihm zufällig 
aufstoßenden Gegenstandes die Gedanken schweifen, um sie nach einiger Zeit 
plötzlich mit der Aufmerksamkeit zu fixiren und niederzuschreiben. In einer 
andern Versuchsreihe benutzte er Wörter, die einige Zeit vorher aufgeschrieben 
und wieder vergessen worden waren. Er bemerkte, dass die so angeregten 
Associationen in der Regel sammtlich an den ersten Sinneseindruck angeknüpft 
werden und seltener sich unter einander verbinden; doch dürfte diese Er¬ 
scheinung wohl in den speciellen Versuchsbedingungen begründet und darum 
nicht als allgemeingültig anzusehen sein. Rücksichtlich der Art der Associationen 
ließ sich beobachten, dass verhältnissmäßig viele Vorstellungen wiederholt auf- 
treten und in ihrer Entstehung in eine frühere Zeit zurückreichen. Die ein¬ 
maligen Associationen gehören vorzugsweise der jüngsten Vergangenheit an. So 
fanden sich bei 505 Associationen auf 100 
2 3 viermal, 2 1 dreimal, 23 zweimal, 33 einmal. 
In 124 Fällen gelang es den ersten Ursprung der Vorstellung nachzuweisen. 
Von 100 gehörten wieder an: 
4 malige 3 malige 2 malige 1 malige im Ganzen 
der Kindheit und ersten Jugend 1 0 9 7 13 39 
dem Mannesalter....... 8 7 5 26 46 
der jüngsten Vergangenheit . . — 3 1 11 15 
Nach der Beschaffenheit der Vorstellungen ordnet Galton die Associationen 
in drei Gruppen: 1) Wortvorstellungen, die theils zu andern Wörtern theils zu 
sonstigen Vorstellungen associirt werden können, 2) andere Sinnesvorstellungen, 
unter denen wieder Gesichtsvorstellungen am häufigsten sind, 3) »theatralische 
Vorstellungen«, d. h. solche, in denen der Beobachter meistens sich selbst in 
einer gewissen Stellung oder Handlung sieht. Als Wörter zur Erweckung von 
Associationen verwendet wurden, zeigte es sich, dass das Auftreten dieser drei 
Classen von Associationen von der Bedeutung der Wörter abhängig war. Nach 
den von Galton gegebenen Beispielen ist anzunehmen, dass Wörter, die ein¬ 
zelne Objecte bezeichnen, theils Sinnesbilder theils andere Wörter erweckten, 
nur sehr selten theatralische Vorstellungen, während die letzteren vorzugsweise 
1) Brain, a journal of neurology, July 1879, p. 149 ff.
        

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