Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/301/
Veränderungen d. einfachen Reactionsvorgangs durch äuß. u. innere Einflüsse. 291 
I. Regelmäßiger Wechsel. 
Mittel 
Mittlere Var. 
Zahl der Versuche 
Starker Schall 1 4 6 
Schwacher Schall 4 27 
40 
4 2 
48 
9 
II. Unregelmäßiger Wechsel. 
Starker Schall 4 89 
Schwacher Schall 298 
38 
76 
9 
4 5 
Wahrscheinlich ist in diesem Fall der Unterschied mit dadurch ver¬ 
anlasst, dass bei regelmäßigem Wechsel die Reaction unwillkürlich eine 
muskuläre wurde. Bedeutender wächst die Reactionszeit, wenn man un¬ 
erwartet in eine Versuchsreihe mit starken Eindrücken plötzlich einen 
schwachen oder auch îumgekehrt zwischen schwache Reize einen starken 
einschiebt. Auf diese Weise sieht 'man gelegentlich die Zeit für einen 
Eindruck nahe der Reizschwelle auf 0,4—0,55 und für einen starken Reiz 
bis auf 0,255 ansteigen. Es kann nun in solchen Fällen ebenso wenig an 
Veränderungen der Perception wie an solche der physiologischen Leitung 
gedacht werden, sondern der Grund des Unterschieds kann allein darin 
liegen, dass überall, wo eine vorangegangene Spannung der Aufmerksam¬ 
keit nicht stattfindet, die ^Apperceptions- und Willenszeit größer wird. In 
den zuletzt berichteten extremen Fällen schiebt sich offenbar sogar eine 
Art Urtheilsact ein: es bedarf einer kurzen Ueberlegung, um den Willens¬ 
impuls auf den Eindruck von unerwarteter Beschaffenheit hervorzubringen, 
so dass hier von einem einfachen Reactionsvorgang eigentlich nicht mehr 
die Rede sein kann. Auch auf die auffallende Größe der Reactionszeit bei 
Reizstärken, welche den Schwellenwerth eben erreichen oder kaum über¬ 
schreiten (S. 284), wirft aber diese Thatsache einiges Licht. Denn wahr¬ 
scheinlich sind die dort beobachteten beträchtlichen Zeiten ebenfalls darauf 
zurückzuführen, dass sich bei den schwächsten Reizen die Aufmerksam¬ 
keit stets über das richtige Maß hinaus adaptirt, so dass ein ähnlicher Zu¬ 
stand wie bei unerwarteten Eindrücken vorhanden ist. Vermuthlich tritt 
in der Nähe der Reizhöhe wieder ein ähnliches Verhalten ein, wodurch 
die bei schreckerregenden Eindrücken vorhandene abermalige Verlang¬ 
samung wenigstens mitbedingt wird. Die Aufmerksamkeit vermag sich 
auch hier dem Eindruck nicht mehr zu adaptiren, ihre Spannung bleibt 
jetzt unter der Größe desselben, ebenso wie sie im vorigen Fall un¬ 
willkürlich über dieselbe gesteigert wurde. 
Mehr noch als bei Reizen, deren Stärke zuvor unbekannt ist, wird 
die Reactionszeit bei völlig unerwarteten Eindrücken verzögert. Diese 
Bedingung wird bei den Registrirversuchen durch Zufall bisweilen ver¬ 
wirklicht, wenn der Beobachter, statt die Spannung der Aufmerksamkeit 
dem erwarteten Eindruck zuzuwenden, zerstreut ist. Absichtlich kann
        

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