Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/291/
Einfache Reaction auf Sinneseindrücke. 
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Kupferzinkelementen nach Meidinger, zu je sechs verbunden. Für jeden Schreib¬ 
elektromagneten werden zwei Gruppen je dreier hinter einander verbundener 
ähnlicher Elemente verwendet. 
Bei der Ausführung der chronographischen Versuche entstehen durch die 
niemals ganz zu vermeidende ungleiche Abreißungszeit der Anker der Schreib¬ 
hebel von den Elektromagneten Zeitfehler, welche durch besondere Controlversuche 
bestimmt werden müssen. Zur Ausführung der letzteren dient der von L. Lange 
construirte, in Fig. I 99 C skizzirte Controlapparat. Um eine gemeinsame Hori¬ 
zontalachse x sind drei massive Messinghebel w (wie der Aufriss der Figur einen 
solchen zeigt) unabhängig von einander drehbar. Bei r trägt jeder Hebel eine 
unten in einen Platinstift auslaufende (oben mit Gegenmutter festzustellende) Mes¬ 
singstellschraube, welche aber von dem Hebel durch ein Elfenbeinstück isolirt ist. 
Jeder der drei Platinastifte wird durch die Kraft einer verstellbaren Feder l auf 
eine Platinacontactplatte c niedergedrückt. Die drei gut von einander isolirten 
Platinacontactplatten stehen durch drei unter dem Grundbrett hinlaufende Kupfer¬ 
drähte mit den Klemmschrauben e in leitender Verbindung, während von den 
Klemmen i Kupferdrähte zu den Schraubenmuttern der verschraubbaren Platina- 
contactstifte hinführen. Die Contacthebel werden ferner an ihren den Contacten 
entgegengesetzten Enden von einem starken LJ-förmigen Eisenstücke u überdeckt, 
welches um eine vertical über x befindliche Achse drehbar is. Wird auf diesen 
[-Hebel ein Druck ausgeübt, so drückt er seinerseits die unter ihm liegenden 
Contacthebelenden nieder und lost also die drei Contacte. Nun lässt sich mit 
Hülfe der Stellschrauben r die Stellung der Platinacontactstifte dermaßen regu- 
liren, dass alle drei Contacte bei genau derselben Lage des [/-Hebels gelöst 
werden. Lässt man jetzt den um y drehbaren Fallhammer m mit seinem 
Kopfe aus 10 cm Hohe auf den [/-Hebel herabfallen, so hat der Kopf im Mo¬ 
ment des Auftreffens über ein Meter Endgeschwindigkeit in der Secunde, und 
er theilt diese Geschwindigkeit dem [/-Hebel mit. Unmittelbar nach Lösung 
der Contacte springt die federnde Nase q (welche an den Knopf t zurück¬ 
gezogen werden kann) über die obere Fläche des Hammerkopfes vor und hin¬ 
dert diesen so am Zurückprallen. Unsere Figur stellt den Hammer in seiner 
erhobenen Lage dar; in dieser wird er dadurch erhalten, dass ein federnder 
Sperrstift o durch ein Loch des Messingbogens B in eine entsprechende Ver¬ 
tiefung des Hammerkopfes eingreift. Zieht man an dem Knopf v, so fällt der 
Hammer auf den [/-Hebel. Um die Wucht des Aufprallens zu mildern, ist 
unter den Contacthebelenden eine Filzplatte z angebracht. Dieser Controlapparat 
wird nun so angewandt, dass mit Hülfe der Klemmschrauben e und i seine 
Contacte in die Schreibstromkreise eingeschaltet werden. Während der psycho¬ 
logischen Versuche bleibt der Hammer in seiner erhobenen Lage, die Ströme 
gehen also ungehindert durch die Contacte hindurch. Zum Zwecke der Con¬ 
trolversuche dagegen werden die sämmtlichen übrigen Contactstellen der Strom¬ 
kreise (z. B. bei T2> ^i) geschlossen gehalten, so dass sie von den Strömen 
passirt werden können. Jetzt lässt man den Hammer fallen und registrirt auf 
der Chronographenwalze die erfolgenden Contactlösungen. Man erhält im all¬ 
gemeinen eine Zeitdifferenz zwischen den Ausbiegungspunkten der Schreibe- 
curven, obwohl die entsprechenden Stromunterbrechungen gleichzeitig statt¬ 
gefunden haben. Diese »scheinbare« Zeitdifferenz, berechnet als Mittel aus 
mehreren Versuchen, ist dann bei den psychologischen Reactionsversuchen nur 
in Abrechnung zu bringen, um fehlerfreie Resultate zu erhalten.
        

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