Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/277/
Einfache Reaction auf Sinneseindrücke. 
267 
Vollständige 
Reaction 
Abgekürzte 
Reaction 
Reagent 
M 
m V 
n 
M 
mV 
n 
D 
Schall 
246 
21 
26 
427 
8 
24 
89 
N. Lange 
- 
235 
24 
24 
124 
9 
28 
414 
Belkin 
- 
230 
33 
49 
424 
9 
27 
106 
L. Lange 
El. Hautreiz 
213 
25 
19 
105 
6 
25 
108 
N. Lange 
Lichtreiz 
290 
28 
20 
472 
8 
24 
418 
L. Lange 
- 
291 
39 
20 
182 
43 
25 
4 09 
G. Martius 
Diese Zahlen lehren, dass die Zeitdifferenzen der beiden Reactions- 
formen bei absichtlicher Herbeiführung derselben durchschnittlich etwa 
0,1 * erreichen. Die Schwankungen der Einzelmessungen betragen bei der 
sensoriellen Reaction etwa 20*7, bei der muskulären nur 10er1). Die indi¬ 
viduellen Unterschiede sind so gering, dass sie bei einer sehr großen Zahl 
von Versuchen möglicherweise ganz verschwinden würden. Dagegen zeigt 
sich in Rezug auf die verschiedenen Sinnesgebiete namentlich zwischen 
dem Gesichtssinn und den übrigen Sinnen ein bemerkenswerther Unter¬ 
schied, insofern die Lichtreactionen bei beiden Reactionsweisen etwa um 
60—80a länger sind. Dieser Unterschied wird noch vergrößert, wenn 
die Lichtreize nicht, wie es in den mitgetheilten Versuchen geschah, bei 
erhelltem, sondern bei verdunkeltem Gesichtsfeld einwirken. Hiernach 
ist es wahrscheinlich, dass derselbe nur von den physiologischen Bedin¬ 
gungen der Sinnesreizung herrührt. In der That braucht die Netzhaut¬ 
erregung, wie physiologische Erfahrungen lehren, eine merkliche Zeit, um 
auf diejenige Größe anzuwachsen, bei welcher die Empfindung statt- 
findet* 2 *). 
Vergleicht man mit den mitgetheilten Ergebnissen die von früheren 
Beobachtern erhaltenen, bei denen die Verschiedenheit der Reactionsweisen 
nicht beachtet wurde, so stimmen dieselben in Bezug auf das zuletzt 
erwähnte Ergebniss, die langsamere Reaction auf Lichteindrücke, sämmtlich 
überein. Dagegen erscheinen die individuellen Unterschiede viel größer, 
wie dies die folgende Tafel an einigen Beispielen zeigt. 
4) Im Folgenden soll stets die ganze Secunde durch das Zeichen 5 (über der Zeile), 
der tausendste Theil einer Sec. aber nach dem Vorschläge von Cattell durch das 
Zeichen a angegeben werden. 4 0ff ist also eich 0,04O'*. 
2) Hierauf weist auch die Beobachtung von Exner hin, dass bei directer Reizung 
des Sehnerven durch den elektrischen Strom die Reactionsdauer kürzer ist als bei der 
Lichtreizung der Netzhaut. Sie betrug bei ihm 0,44 ks im ersteren gegen 0,4 50^ im 
zweiten Fall. (Pflüger’s Archiv, VII, S. 634.) Doch ist es bei derartigen Versuchen 
sehr schwierig, nicht auf die gleichzeitige elektrische Hautreizung zu reagiren, nament¬ 
lich wenn man sich, wie wahrscheinlich Exner, der verkürzten Reactionsform bedient.
        

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