Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/266/
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Das Bewusstsein. 
Eindruck allein stattfindet. Zunehmende Spannung wird durch die Er¬ 
hebung der Curve über die Abscissenlinie, abnehmende durch das Sinken 
derselben angedeutet. Die Erhebung über die untere Abscissenlinie möge 
zugleich den Eintritt der Vorstellung in das Bewusstsein, die Perception, 
die Erhebung über die obere den Act der Apperception bezeichnen. Die 
Curve 0 versinnlicht denselben Vorgang in Bezug auf einen optischen 
Eindruck. Beide Curven unterscheiden sich durch die kleinere Dauer der 
Perioden im zweiten Fall. Wirken nun Schall- und Lichteindruck gleich¬ 
zeitig ein, so werden die jetzt sich ergebenden Schwankungen durch die 
zusammengesetzte Curve A O dargestellt, in welcher die dickere Wellen¬ 
linie wieder die akustischen, die feinere die optischen Schwankungen be¬ 
deutet. Dieselbe zeigt, dass beide Apperceptionen in regelmäßiger Folge 
an einander sich anschließen, indem jeweils von der optischen zur aku¬ 
stischen eine kürzere Zeit verfließt, als von dieser zu einer neu eintreten¬ 
den optischen Apperception. Es folgen also zwei Intermissionen, eine 
kürzere und eine längere, in regelmäßigem Wechsel auf einander. Wir 
können daher die Sache auch so ansehen, dass die ganze Reihe statt aus 
einfachen aus doppelten Apperceptionen besteht, die durch gleiche 
Pausen von einander getrennt sind, und dass jede zusammengesetzte 
Apperception wieder in zwei Apperceptionsacte zerfällt, zwischen denen 
eine kürzere Zwischenzeit liegt. In den Versuchen von N. Lange betrug 
das kürzere Intervall 1,2—1,6", das größere 1,6—2,3". Hieraus ergibt 
sich zugleich, dass die Gesammtdauer eines Spannungswechsels durch den 
Hinzutritt der zweiten Apperception nicht merklich verlangsamt wird. 
Der Eindruck, der für sich allein eine kürzere Periode befolgt, ist auch 
der nach der Hauptpause zuerst appercipirte ; der Eindruck von der län¬ 
geren Periode dagegen bestimmt die Gesammtdauer der Periode. Dieses 
ganze Verhalten lässt annehmen, dass die Perioden der Spannung und 
Entspannung bei zwei Eindrücken im ganzen dieselben bleiben wie bei 
einem Eindruck, dass aber der Eindruck mit kürzerer Periode in die 
Periode des längeren rhythmisch eingegliedert wird, so dass nun der 
ganze Vorgang einer Apperception in zwei zusammengehörige Acte zer¬ 
fällt, von denen der erste dem zweiten ähnlich wie ein Auftakt vorangeht. 
Die Ausführung der oben beschriebenen Versuche fordert sehr günstige 
äußere Versuchsbedingungen. N. Lange benützte daher die späten Abendstun¬ 
den, wo alle Geräusche und sonstigen störenden Sinneseindrücke fern gehalten 
werden konnten. Nachdem der Eindruck bis nahe zur Reizschwelle abgestuft 
war, brachte der Beobachter seine Hand mit dem Schlüssel einer chronoskopi- 
schen Vorrichtung in Verbindung, die in einem weit entfernten andern Zimmer 
des Laboratoriums aufgestellt war und von einem zweiten Beobachter bedient 
wurde. Die Momente der Erhebung des Eindrucks in den Blickpunkt des Be¬ 
wusstseins wurden dann regelmäßig durch Druck auf den Taster chronoskopisch
        

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