Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (2)

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Gesichtsvorstellungen. 
wichtige Bestätigung durch Versuche über die Projection binocular entwickelter 
Nachbilder, welche nach demselben Princip wie die früher (S. 10 4) erwähnten 
Versuche mit monocularen Nachbildern angestellt werden können. Schon Wheat¬ 
stone *) und Rogers1 2) haben beobachtet, dass Nachbilder, welche in beiden 
Augen auf nicht-correspondirenden Netzhautstellen liegen, stereoskopisch com- 
binirt werden können. Ich habe außerdem den Einfluss zu ermitteln gesucht, 
welchen die Vorstellung von der Lage des Sehfeldes, in das die Nachbilder 
verlegt werden, auf die binoculare Verschmelzung derselben ausübt3). Dabei 
ergab sich, dass die Nachbilder beider Augen auf irgend eine ihrer Form und 
Richtung nach bekannte Fläche nach denselben Gesetzen projicirt werden, nach 
welchen auch das einzelne Auge die Nachbilder in sein Sehfeld verlegt, dass 
also die binocularen Nachbilder dann mit einander verschmelzen, wenn sie auf 
Deckstellen des Sehfeldes zu liegen kommen. Fixirt man z. B. (Fig. 186) 
mit dem rechten Auge einen farbigen Streifen a auf complementärfarbigem 
Grunde, und projicirt man dann das Nachbild desselben auf eine Ebene, die 
gleich der Ebene des ursprünglichen Streifens senkrecht zur Visirebene ist, 
so behält das Nachbild dieselbe Lage wie sein Erzeugungsbild. Dreht man 
nun aber die Projectionsebene um eine horizontale Axe aß, so dass sich das 
obere Ende derselben vom Beobachter wegkehrt, so geht das Nachbild aus 
der Lage a in die Lage c über. Aehnlich nimmt 
a c 3 ein im linken Auge erzeugtes Nachbild b auf 
\ j / einer zur Visirebene senkrechten Projectionsebene 
\ | / zunächst die Lage b an, aus der es, wenn man 
\\ die Ebene in der oben angegebenen Weise dreht, 
y ebenfalls in die Lage c übergeht. Erzeugt man 
Ä ß nun gleichzeitig im rechten Auge ein Nachbild 
/j\ a, im linken ein Nachbild 6, und fixirt dann 
/ j \ den Punkt y) so sieht man zunächst zwei Nach- 
I ! ^ bilder a und 6, die sich in y kreuzen. Dreht 
man aber jetzt die Ebene wieder in der oben 
angegebenen Weise vom Beobachter weg, so 
verschmelzen beide in das eine Nachbild c. 
Volkmann hat diesem Resultat widersprochen. Er behauptet, die beiden Nach¬ 
bilder blieben bei der Drehung der Ebene doppelt, und nur dann, wenn man 
das linke Auge schließe, nehme a die Richtung c, ebenso wenn man das 
rechte schließe, b die Richtung c an4). Es mögen vielleicht bei einzelnen 
Beobachtern die doppelt gesehenen Nachbilder so sehr ihrer \ereinigung wider¬ 
streben, dass sie gar nicht auf die geneigte Fläche projicirt, sondern immer 
noch in einer zur Visirebene senkrechten Ebene, also in der Luft stehend ge¬ 
sehen werden. Mit Rücksicht auf den früher erörterten Einfluss der gewöhn¬ 
lichen Form des Sehfelds auf die constantere Zuordnung der correspondirenden 
Punkte hätte dies gerade nichts auffallendes. Ich muss jedoch hervorheben, 
dass sich mir selbst bei dem besprochenen Versuch immer die Nachbilder ver¬ 
einigen, und auch die Annahme, dass etwa wegen der Flüchtigkeit der Nach- 
1) Poggendorff's Annalen a. a. O. S. 46. 
2) Silliman’s Journal, Nov. 1 860. 
3) Beiträge zur Theorie der Sinneswahrnehmung, S. 271 f. 
4) Volkmann, Physiologische Untersuchungen im Gebiet der Optik, I, S. 169. Vgl. 
auch Schoen, Archiv f. Ophthalmol., XXIV, S. 57.
	        
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