Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5138/102/
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Gesichtsvorstellungen. 
Pupille schneidet. In der gleichen Richtung müssen wir aber die Punkte 
nach außen verlegen. Aus diesem Grunde nennt man die genannte Linie 
eine Yisirlinie. Alle in einer Visirlinie gelegenen Punkte decken sich 
im Netzhautbilde mit den Mittelpunkten ihrer Zerstreuungskreise. Die¬ 
jenige Yisirlinie, welche vom Netzhautcentrum ausgeht, nennen wir die 
Hauptvisirlinie; sie fällt mit der Gesichtslinie, dem Hauptrichtungs¬ 
strahl, so nahe zusammen, dass auch dieser Unterschied für die meisten 
Zwecke vernachlässigt werden kann. Den Mittelpunkt der Pupille, in 
welchem sich alle Yisirlinien schneiden, nennt man den Kreuzungs¬ 
punkt der Yisirlinien. Derselbe ist, wie man hieraus sieht, von dem 
Kreuzungspunkt der Richtungsstrahlen verschieden. Während durch die 
Richtungsstrahlen die Lage und Größe des ßildes auf unserer Netzhaut, 
wird durch die Yisirlinien die Richtung bestimmt, in welcher wir jenes 
Bild nach außen verlegen. Die Grenzpunkte eines Objects ab (Fig. 145), 
vom welchem ein Bild a ß auf der Netzhaut entworfen wird, sehen wir 
also nicht bei a und b7 sondern bei a' und 6', gemäß der Richtung der 
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Fig. 14 3. 
Visirlinien. Für ferne Objecte fallen übrigens die Richtungsstrahlen und 
die Yisirlinien so nahe zusammen, dass der Unterschied vernachlässigt 
werden kann. Den Winkel a v b\ welchen die von den Grenzpunkten 
des Netzhautbildes gezogenen Yisirlinien mit einander bilden, nennt man 
den Gesichtswinkel. Er ist für uns im allgemeinen das Maß der 
Größe eines Gegenstandes. Den Objecten, die unter gleichem Gesichts¬ 
winkel gesehen werden, entsprechen Netzhautbilder von gleicher Größe. 
Die Erfahrung lehrt nun aber, dass wir trotzdem keineswegs alle Objecte 
von gleichem Gesichtswinkel für gleich groß halten. Vielmehr erscheint 
uns von verschiedenen Objecten mit gleichem Gesichtswinkel dasjenige 
größer, welches wir in weitere Entfernung verlegen. Wird z. ß. dasselbe 
Netzhautbild a ß (Fig. 145) zuerst nach ab' und dann nach a b" verlegt, 
so erscheint es im ersten Fall kleiner, im zweiten größer als das wirk¬ 
liche Object a b. Die Vorstellung der Größe setzt also außer dem Ge¬ 
sichtswinkel die Hülfsvorstellung der Entfernung des Gegenstandes vor¬ 
aus. Zur Gewinnung der letzteren steht aber dem visirenden Auge nur ein 
sehr unsicheres Mittel zu Gebote, die Accommodation. Indem wir sue-
        

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