Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/97/
Entwicklung der äußeren Gehirnform. 
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Die Oberfläche des großen Gehirns pflegt nur bei der höchsten 
Wirbelthierclasse sich durch Faltungen zu vergrößern, und noch bei den 
Säugethieren zeigen die niedersten Ordnungen höchstens die schon früher 
besprochenen Furchen und Windungen (Sylvische Spalte, sulcus hippo¬ 
campi u. s. w.), welche auf anderen Ursachen beruhen als die übrigen 
Faltenbildungen. Sobald aber die letzteren erscheinen, halten sie bei 
allen Säugethieren bis hinauf zu den Primaten im wesentlichen die näm¬ 
liche Regel ein. Alle Furchen und Windungen, welche sich gegen die 
hintere Grenze des Gehirns erstrecken, verlaufen nämlich von vorn nach 
hinten, also annähernd in longitudinaler Richtung ; häufig sind sie zugleich 
in Bogen um die Sylvische Spalte gekrümmt. (Yergl. Fig. 45 S. 81 7, 77, 
III.) Wie die Hemisphären von vorn nach hinten den Hirnstamm um¬ 
wachsen, so sind demnach auch die Windungen auf einem Theil ihrer 
Oberfläche von vorn nach hinten gerichtet und zugleich um die Anhef¬ 
tungsstelle am Zwischenhirn im selben Sinne gebogen, in welchem die 
Umwachsung stattfindet. Die Stärke dieser Krümmung ist durch die Tiefe 
und Ausdehnung der Sylvischen Grube oder Spalte bedingt. Die Zahl der 
Längsfalten, welche so an der Oberfläche des großen Gehirns bemerkt 
werden, variirt im allgemeinen in den verschiedenen Säugethierordnungen 
zwischen zwei und fünf. Manchmal münden einzelne an irgend einer 
Stelle ihres Verlaufs mit einer benachbarten Falte zusammen; sehr häufig 
treten schwächere secundäre Falten hinzu, welche die erste Richtung kreu¬ 
zen. Auf diese Weise entstehen unregelmäßigere Schlängelungen, welche 
jenes Gesetz des Verlaufs mehr oder weniger verdecken können. Wesent¬ 
lich anders verhält sich die Faltenbildung am vorderen Theil des großen 
Gehirns. Etwas nach vorn von der Sylvischen Spalte nämlich geht der 
longitudinale Windungszug entweder allmählich oder plötzlich in einen 
annähernd transversalen über, wobei zugleich die auftretenden Quer¬ 
furchen häufig radiär gegen die Sylvische Spalte gestellt sind (Fig. 48 f. 
S. obere Reihe). Diese Furchenbildung am vorderen Theil des Gehirns 
steht damit im Zusammenhang, dass bei allen Säugethieren, mit Ausnahme 
der Cetaceen und Primaten, derjenigen Ordnungen also, bei denen die 
Riechwindungen mehr oder weniger verkümmert sind, am vorderen Theil 
des Gehirns die Bogenwindung zur Oberfläche tritt und an dieser Stelle 
durch eine quer oder schräg gestellte Furche von den dahinterliegenden 
Windungen geschieden ist; nach vorn geht sie unmittelbar in die Riech¬ 
windung über, von der sie abermals durch eine meistens seichtere Quer¬ 
furche getrennt ist (Fig. 45 Gf). Die Stelle, wo die Bogenwindung zu 
Tage tritt, liegt zuweilen sehr nahe an der vorderen Hirngrenze: so bei 
den Carnivoren, bei denen aber diese Windung sich stark in die Breite 
entwickelt, so dass sie mit der Riechwindung ganz den sonst dem Fron-
        

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