Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/93/
Entwicklung der äußeren Gehirnform. 
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bri ngen nun eine neue Reihe von Formeigenthümlichkeiten hervor, denen 
sich als weitere die äußere Gestalt der Hemisphären, die Entwicklung 
oder der Mangel der Seitentheile des Kleinhirns, das hiermit zusammen¬ 
hängende Hervortreten gewisser Kerngebilde, wie der Oliven an der me¬ 
dulla oblongata, sowie die Entwicklung einer Yarolsbrücke hinzugesellen. 
An allen Säugethierhirnen ist die Stelle, wo die Großhirnhemisphäre ur¬ 
sprünglich dem Hirnstamm aufsitzt, durch die Sylvische Grube bezeich¬ 
net (S Fig. 23 S. 51). Indem sich die Ränder dieser Grube entgegenwach¬ 
sen, geht dieselbe bei allen höheren Säugethieren in eine tiefe Spalte, 
die Sylvische Spalte (fissura Sylvii), über. Dieselbe geht im allgemei¬ 
nen schräg von hinten und oben nach vorn und unten; ihre Richtung 
weicht um so mehr von der verticalen ab, je stärker sich das Occipital- 
hirn entwickelt und die nach hinten gelegenen Theile überwächst (Fig. 45). 
Fis. 45. Hundesehirn in der Seitenansicht. Mo Verl. Mark. C Kleinhirn. S Svlvische 
Spalte, ob Riechlappen. Gf Bogenwindung, hinter dem Riechlappen an die Oberfläche 
tretend. H Ammonswindung (lobus hippocampi), o Nerv, opticus. I, II, III Erste, 
zweite und dritte typische Windung des Carnivorengehirns. 
Eine eigenthümliche Gestaltung erfährt diese Spalte endlich bei der höch¬ 
sten Säugethierordnung, bei den Primaten. Bei ihnen nimmt nämlich 
schon im Anfang des Embryonallebens die in Folge der Umwachsung des 
Stammhirns durch die Hemisphären gebildete Grube durch die gleichzeitige 
Entwicklung des Frontal- und Occipitalhirns ungefähr die Form eines Drei¬ 
ecks an, dessen Basis nach oben gekehrt ist. Die Grube schließt sich 
dann, indem ihre Ränder von vorn, oben und hinten sie überwachsen, 
zu einer gabelförmigen Spalte [S Fig. 46), an welcher man einen vorde¬ 
ren und einen hinteren Schenkel [s{ und s2) unterscheidet. (Yergl. auch 
Fig. 51.) Der zwischen den beiden Gabeln der Spalte gelegene, die ur¬ 
sprüngliche Grube von oben her deckende Hemisphärentheil (Ä) heißt der 
Klappdeckel (operculum). Schlägt man den Klappdeckel zurück, so 
sieht man, dass der unter ihm gelegene Boden der Sylvischen Grube em¬ 
porgewölbt und, gleich der übrigen Oberfläche der Hemisphäre, durch 
Wundt, Grundzüge, 3. And. 6
        

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