Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/68/
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Formentwicklung der Nervencentren. 
o 
hintere oder graue Commissur (Comm. post.). Aehnliche graue Fasern 
umgeben den ganzen Centralcanal. dessen Binnenraum bedeckt ist von 
einer einfachen Lage Cylinderepithel. Zu diesem ist ein kleiner Rest der 
ursprünglich die Höhle des Medullarrohrs auskleidenden Bildungszellen 
verwendet worden. 
So lange die Entwicklung der Centralorgane auf die Ausbildung des 
Rückenmarks beschränkt bleibt, ist damit eine gewisse Gleichförmigkeit 
der gesammten Organisation nothwendig verbunden. Indem in der gan¬ 
zen Länge des Rückenmarks dieselbe Anordnung der Elementartheile und 
dasselbe Ursprungsgesetz der Nervenfasern sich wiederholen, müssen auch 
die sensibeln Flächen, die Bewegungsapparate, die von jenem Centralorgane 
beherrscht sind, der nämlichen Gleichförmigkeit ihrer Verbreitung und 
Ausbildung unterworfen sein. So hat sich denn in der That beim Em¬ 
bryo. so lange sein centrales Nervensystem nur aus dem Medullarrohr be¬ 
steht, noch keines der höheren Sinnesorgane entwickelt, die Anlagen der 
sensibeln Körperoberfläche und des Bewegungsapparates sind gleichförmig 
um die centrale Axe vertheilt, nur die Stelle, wo die stärkeren Nerven- 
massen zu den Hinterextremitäten hervorsprossen, ist schon frühe durch 
eine Erweiterung der Primitivrinne, den sinus rhomboidalis, die nach- 
herige Lendenanschwellung, an gedeutet. Zu ihr gesellt sich später eine 
ähnliche, übrigens schwächere Verdickung des Medullarrohrs an der Ab¬ 
gangsstelle der vorderen Extremitätennerven, die Cervicalanschwellungfl. 
Eine ähnliche Gleichförmigkeit der Organisation begegnet uns als bleibende 
Eigenschaft bei dem niedersten Wirbelthier, bei welchem sich die Aus¬ 
bildung des centralen Nervensvstems auf das Medullarrohr beschränkt, 
beim Amphioxus lanceolatus. Das Sehorgan dieses hirnlosen Wirbelthieres 
besteht aus zwei kleinen Pigmentflecken, das Geruchsorgan aus einer un¬ 
paaren becherförmigen Vertiefung am vorderen Leibesende* 2), ein Gehör¬ 
apparat ist bei ihm nicht nachgewiesen. So sind hier gerade diejenigen 
Organe in ihrer Entwicklung zurückgeblieben, welche für die erste Aus¬ 
bildung der von dem Rückenmark sich absondernden höheren Central- 
theile vorzugsweise bestimmend scheinen. 
3. Verlängerte 
Bei den niederen Wirbelthieren ist 
blinde! noch wenig von demjenigen im 
s Mark. 
der äußere Verlauf der Faser- 
Rückenmarke verschieden, nur 
1 i Bei den Vögeln wird der sinus rhomboidalis zeitlebens nicht durch Nerven- 
masse geschlossen und bleibt daher als eine hinten offene Grube bestehen, ähnlich wie 
bei allen Wirbelthieren die Fortsetzung des Centralcanals im verlängerten Mark, die 
Rautengrube. 
2) Kölliker, Müller7s Archiv 1 843, S. 32.
        

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