Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/472/
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Qualität der Empfindung. 
digen Weiß (der Complementärfarbe entsprechend , um sich dann wieder 
in entgegengesetzter Richtung zu ändern, womit sich die Farbencurve als 
eine in sich zurücklaufende kundgibt. Letztere Thatsacbe findet überdies 
ihren Ausdruck in der unmittelbaren Empfindung, nach welcher die An¬ 
fangs- und Endfarbe des Spektrums wieder einander ähnlich werden und 
mit einander gemischt eine zwischen ihnen liegende gesättigte Farbe bilden 
(das Purpur), woraus zu schließen ist, dass auch die begleitenden phy¬ 
sischen Vorgänge von verwandter Beschaffenheit sind. 
Demnach können wir uns den Gang der Function, die in dem Mi¬ 
schungsgesetze zum Ausdruck gelangt, auch folgendermaßen veranschau¬ 
lichen. Wir denken uns den Punkt W der Farbentafel (Fig. 132 als 
Mittelpunkt eines Polcoordinatensystems, denken uns also von diesem 
Punkte Radien nach allen möglichen Stellen der Farbencurve gezogen und 
die Winkel, wrelche dieselben mit einander bilden, vom Radius WR an 
gezählt, so dass deren positive Werthe in der Richtung des Verlaufs 
der spektralen Farbencurve wachsen. Die Zunahme des Polarw inkels soll 
der Abnahme der Wellenlänge von der Grenze des äußersten Roth ab 
entsprechen. Da die den kürzesten Wellenlängen zugehörigen Empfindungen 
des Violett sich wieder der Empfindungsgrenze der gi’ößten Wellenlänge 
nähern, so muss die Curve in der Gegend der Mitte des Spektrums einen 
Wendepunkt haben, und nach dem Mischungsgesetz für die Wellenlängen 
von Roth bis Gelbgrün und von Grünblau bis Violett müssen die beiden 
Schenkel der Curve innerhalb gewisser Grenzen einen nahehin gerad- 
linigen Verlauf nehmen. Die so gewonnene Curve besitzt also im allge¬ 
meinen die Gestalt der Farbenlinie in Fig. 132. Die nach unten zwischen 
den Radien W R und W V gelegenen Winkelwerthe können entweder als 
solche, welche die obere Empfindungsgrenze überschreiten, oder als solche, 
welche die untere nicht erreichen, betrachtet werden: die hier liegenden 
Empfindungen können nicht mehr durch einfache ultrarothe oder ultra¬ 
violette Wellenlängen, sondern nur durch Mischung rother und violetter 
Strahlen hervorgebracht werden ; durch sie wird dann die Curve der ein¬ 
fachen Farbenempfindungen eine in sich geschlossene. Mit diesem in dem 
Zurücklaufen der Farbenlinie begründeten Gang der Function stehen nun 
aber auch die weiteren Mischungserscheinungen, die hauptsächlich in der 
Existenz der Complementärfarbenpaare ihren Ausdruck finden, in Verbin¬ 
dung. Nicht gesättigt ist vermöge der Form der Farbencurve immer die 
Empfindung, die aus der Mischung solcher Farben hervorgeht, zwischen 
denen die Curve nicht geradlinig verläuft. Da nun die ganze Curve in sich 
geschlossen ist, so muss es für jeden Punkt der Farbenlinie einen zweiten 
Punkt geben, bei welchem die Sättigung der Mischfarbe auf ein Minimum 
gesunken ist, um bei weiterem Fortschritt sich wieder in entgegengesetztem
        

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