Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (1)

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Qualität der Empfindung. 
so enthalten diese von außen nach innen immer weißlichere Farbenstufen, 
innerhalb jedes Ringes findet aber ein ebenso stetiger Uebergang der ein¬ 
zelnen Farbentöne in einander statt wie bei den die Peripherie einneh¬ 
menden gesättigten Farben. Man hat also zweierlei stetige Uebergänge: 
einen in Richtung des Halbmessers von den gesättigten zu den minder 
gesättigten Farbenstufen, und einen zweiten in Richtung des Winkelbogens 
von einem Farbenton zum andern. Je kleiner der auf denselben Winkel¬ 
grad fallende Rogen wird, d. h. je mehr man sich dem Mittelpunkt nähert, 
um so kleiner werden die Unterschiede der Farbentöne, bis sie endlich 
im Mittelpunkt ganz aufhören, denn hier stellt das Weiß für alle Farben 
zugleich das Minimum der Sättigung dar. Wie demnach die Farbentöne 
für sich genommen ein Continuum von einer, so bilden sie im Verein mit 
den Sättigungsgraden betrachtet ein Continuum von zwei Dimensionen, und 
wie die Kreislinie die Farbentöne, so stellt die Kreisfläche sie und 
ihre Sättigungen in der einfachsten Form dar. Auch hier reicht jedoch 
die Kreisfläche nicht aus, wenn die dargestellte Form zugleich die quanti¬ 
tative Seite des Mischungsgesetzes ausdrücken soll, sondern dann wird das 
Farbensystem durch die von der Curve in Fig. 132 umgrenzte Fläche ver¬ 
sinnlicht. Der Schwerpunkt W ist hier der Ort des Weiß, und auf den 
Geraden, die von der Peripherie der Curve nach dem Punkte TU gezogen 
werden, liegen die weißlichen Farbentöne. Die so gewonnene Farbenfläche 
hat dann nicht bloß für die Mischung der Complementärfarben zu Weiß, 
sondern überhaupt für die Entstehung beliebiger Mischfarben aus einfachen 
Farben ihre Bedeutung. Der an der Stelle F gelegene Farbenton z. B. 
wird durch Mischung zweier Farben R und B erhalten, deren Intensitäts- 
verhältniss durch die Gleichung R • R F = B • B F gegeben ist; der näm¬ 
liche Farbenton kann aber noch aus andern Farben, deren Verbindungs- 
linien sich in F schneiden, gewonnen werden, z. B. aus V und G\ wobei 
wieder V • VF = Gr • Gr F sein muss. Hierin liegt auch der Grund, dass, 
wie oben bemerkt, die einfache Farbenlinie geradlinig bleiben muss, so 
lange die aus der Mischung zweier Spektralfarben hervorgehende mittlere 
Farbe eine spektrale Sättigung besitzt. Denn in diesem Fall muss eben 
die gerade Verbindungslinie der gemischten Farben mit der Farbenlinie 
selbst zusammenfallen, während sie, wo die Mischfarbe weißlich ist, nach 
einwärts von der Farbenlinie gegen die weiße Mitte zu gelegen ist. Dies 
kann aber nur eintreten, wenn die Farbenlinie einen gekrümmten Verlauf 
hat. Letzteres ist daher wegen der weißlichen Beschaffenheit der Mischfarbe 
bei allen etwas entfernter von einander gelegenen Spektralfarben voraus¬ 
zusetzen. Nur die dem Purpur entsprechende Verbindungslinie ist als 
eine Gerade anzusehen, denn die Mischung von spektralem Roth und Vio¬ 
lett erzeugt niemals weißliche Farbentöne.
	        
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