Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (1)

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Qualität der Empfindung. 
den tiefsten Tönen nahezu bei allen Intervallen innerhalb der Octave hör¬ 
bar. Bei höheren Tönen bemerkt man sie, wie die Schwebungen, nur 
in der Nähe des Einklangs und der Octave, wo sie den oben (S. 438) 
erwähnten unteren und oberen Schwebungen entsprechen. Von den Com- 
binationstönen unterscheiden sich die Stoßtöne durch ihre viel größere 
Stärke ; denn sie können, während die eigentlichen Combinationstöne 
immer sehr schwach sind, nahezu die Stärke der primären Töne erreichen. 
Auch entsprechen nur den unteren Stoßtönen, nicht aber den oberen 
gleichzeitig entstehende Combinationstöne von der nämlichen Schwingungs¬ 
zahl. Natürlich fällt wo letzteres der Fall ist der Stoßton mit dem Com- 
binationston zusammen. Trotzdem muss den Stoßtönen, da sie durchaus 
nur an das Auftreten von Schwebungen gebunden sind, eine andere Ent¬ 
stehungsweise zu Grunde liegen. Während die Combinationstöne objec- 
tiven Ursprungs sind, entstehen die Stoßtöne höchst wahrscheinlich erst 
in unserm Ohr, dadurch dass die plötzlichen Intermissionen der Schall¬ 
bewegung in den schwingungsfähigen Theilen des Ohres selbständige 
Schwingungen auslösen. 
Den von Tartini entdeckten CombinationstÖnen wurde früher nach dem 
Vorgänge von Thomas Young ein subjectiver Ursprung zugeschrieben, bis Helm¬ 
holtz nachwies, dass sowohl die Ditferenztöne wie die von ihm aufgefundenen 
Summationstöne auf einem objectiven Vorgänge beruhen, der bei allen Schwin¬ 
gungen von größerer Amplitude, für welche das Princip der Superposition der 
Wellen nicht mehr gilt, eintreten muss. Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass 
den von It. König näher beobachteten Stoßtönen jene Bedeutung zukommt, 
welche Young den CombinationstÖnen zuschrieb, wobei aber der wichtige Unter¬ 
schied besteht, dass die Stoßtöne überhaupt nur so lange merklich sind, als 
Schwebungen existiren, und dass sie bei den Schwebungen der tiefen Töne am 
stärksten sind, während die Ditferenztöne umgekehrt bei den Intervallen hoher 
Töne stärker werden. Trotz dieser Unterschiede halten Helmholtz und Preyer 
die Stoßtöne für identisch mit den CombinationstÖnen. Zugleich ist aber der 
letztere Beobachter zu der älteren Ansicht zurückgekehrt, dass alle Combinations- 
töne subjectiven Ursprungs seien. Die oberen Stoßtöne, die übrigens noch der 
näheren Untersuchung bedürfen, betrachtet er als hervorgebracht durch die Schwe¬ 
bungen des höheren Tons mit dem ersten Oberton (der Octave) des tieferen, 
obgleich König auch diese oberen Stoßtöne bei reinen Stimmgabelklängen be¬ 
obachtete. Um darzuthun, dass in den letzteren der erste und die nächsten 
Obertöne Vorkommen, ließ sich Preyer sehr empfindliche Stimmgabeln auf 
Resonanzkästen anfertigen, welche auf die nachzuweisenden Obertöne abgestimmt 
waren. Hierbei ergab sich nun in der That, dass die Probegabeln in Mitschwin¬ 
gungen geriethen, wenn ihr Ton eine oder zwei Octaven hoher war als der¬ 
jenige der zu prüfenden Gabel1). Diese Versuche sind aber deshalb nicht be¬ 
weisend, weil eine empfindliche Stimmgabel nicht bloß dann in Mitschwingungen 
geräth, wenn sie von Stößen getroffen wird, die ihrem eigenen Ton entsprechen, 
1) Preyer, Akustische Untersuchungen, S. 13 f.
	        
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