Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/394/
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Intensität der Empfindung. 
Reizschwelle in diesem Sinne, als untere Grenze der Apperception, ist, 
wie die Beobachtung lehrt, eine höchst veränderliche Größe; sie kann 
nur durch einen möglichst unveränderlichen Zustand der Aufmerksamkeit 
annähernd constant erhalten werden. Tragen wir demgemäß die Merk- 
lichkeitsgrade der Empfindung auf eine Abscissenlinie auf, deren Ordinaten 
die zugehörigen Sinneserregungen bezeichnen, so wird einer Ordinate a 
von bestimmter Größe, der Reizschwelle, der Nullpunkt der Abscissen 
entsprechen, und alle Werthe der letzteren, welche den wachsenden Or¬ 
dinaten jenseits a zugehören, werden als positive, alle Werthe, welche den 
abnehmenden Ordinaten diesseits der Schwelle a zugehören, werden als 
negative bezeichnet werden können, wobei die negative Größe selbstver¬ 
ständlich nicht einen Vorgang bezeichnet, der zu der positiv merklichen 
Empfindung in irgend einem conträren Gegensatz stünde, wie etwa die 
Empfindung Kalt zur Empfindung Warm, sondern lediglich die Entfernung 
messen soll, in welcher eine Empfindung von der Grenze der Merklich- 
keit sich befindet. Da man sich von dieser Grenze nach zwei entgegen¬ 
gesetzten Richtungen entfernen kann, so hat die Anwendung der positiven 
und negativen Bezeichnung hier die nämliche Berechtigung wie für die 
Darstellung entgegengesetzter Richtungen im Raume, die von einem be¬ 
stimmten Punkte aus gemessen werden sollen. 
Hinsichtlich der positiven d. h. übermerklichen Empfindungswerthe 
sagt nun das WEBEidsche Gesetz aus, dass bei ihnen die Größe der rela¬ 
tiven Unterschiedsempfindlichkeit in Bezug auf die zugehörigen Reizwerthe 
constant bleibt. Bezeichnen wir demnach den Zuwachs, der zu einem 
Reize R hinzukommen muss, um eine eben merkliche oder gleich merk¬ 
liche Aenderung der Empfindung zu bewirken, mit / /?, diese Aenderung 
selber mit /<', so ist 
worin C eine constante Größe bedeutet und k ebenfalls für die verschieden¬ 
sten Werthe von R als constant vorausgesetzt werden muss. Denken wir 
uns, um das Gesetz geometrisch zu veranschaulichen, die verschiedenen 
Merklichkeitsstufen von der Größe k auf eine Abscissenlinie aufgetragen, 
und auf dieser senkrechte Ordinaten errichtet, deren Größen den zuge¬ 
hörigen Reizstärken proportional sind, so wird eine dem Reize R ent¬ 
sprechende Empfindung E als bestehend aus einer gewissen Anzahl n 
solcher Merklichkeitsgrade von der Größe k = — betrachtet werden kön- 
nen *(Fig. 119). Bezeichnen wir die der Reizschwelle oder dem Werthe 
E = 0 entsprechende Reizordinate mit a, die darauf folgenden successiv 
den Abscissenwerthen Zr, 2 k, 3 k. . . entsprechenden mit b, c, d . . . , so
        

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