Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (1)

Differenzirung der psychischen Functionen und ihrer Substrate. 
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Theil des contractilen Protoplasmas stattfinden, lösen zunächst an der un¬ 
mittelbar berührten Stelle eine Bewegung aus, die sich dann in zweck¬ 
mäßiger Coordination über den ganzen Körper verbreiten kann. 
Eine erste Scheidung der psychischen Functionen vollzieht sich schon 
bei jenen Protozoen, bei denen sich aus der 
Umhülluimsschichte der contractilen Leibes- 
Substanz besondere Bewegungsapparate, Cilien 
und Buderfüße, entwickelt haben (Fig. 3). 
Nicht selten geht diese Entwicklung Hand in 
Hand mit der Differenzirung der Ernährungs¬ 
functionen, mit der Ausbildung einer Nah- 
rungsöffnung und Verdauungshöhle, zu denen 
häufig noch ein offenes Canalsystem hinzu¬ 
kommt, in welchem durch eine contractile verschiedenen Momenten ihrer 
Blase die Saftbewegung unterhalten wird. Die 
Wimpern, welche diesen Infusorien eine un¬ 
gleich raschere Beweglichkeit verleihen, als sie den bloß aus zähflüssiger 
Leibesmasse bestehenden niedersten Formen der Moneren und Rhizopoden 
zukommt, functioniren sichtlich zugleich als Tastorgane, und, wie es 
scheint, sind sie außerdem gegen Licht empfindlich. Auch der bei man¬ 
chen Infusorien vorkommende rothe Pigment¬ 
fleck steht möglicher Weise zur Lichtunter¬ 
scheidung in Beziehung; doch ist seine 
Deutung als primitives Sehorgan immerhin 
unsicher. 
Eine eingreifendere Scheidung der 
Functionen und ihrer Substrate vollzieht 
sich bei den zusammengesetzten Or¬ 
ganismen. Indem der Keim derselben in 
eine Mehrheit von Zellen sich spaltet, er¬ 
Fig. 2. Eine Amöbe in zwei 
Bewegung. n Kern. i aufge¬ 
nommene Nahrung. 
Fig. 3. Actinospharium. a ein 
aufgenommener Bissen, welcher 
in die weiche Leibesmasse ein¬ 
gedrückt wird, b Corticalschichte 
des Körpers, c centrales Paren¬ 
chym. cl Nahrungsballen in dem 
letztem, e Wimpern der Corti¬ 
calschichte. 
scheinen diese ursprünglich noch gleichartig 
und zeigen demnach auch nicht selten in 
übereinstimmender Weise die primitive Con- 
tractilität des Protoplasmas. Aber indem 
diese Zellen nun weiterhin nach Stoff' und 
Form sich verändern, und indem aus ihnen 
selbst und aus ihren Wachsthumsproducten die Gewebe des Pflanzen- und 
Thierkörpers hervorgehen, scheiden sie sich zugleich immer vollständiger 
in Bezug auf ihre Function. Ueber den Bedingungen, welche diesem die 
gesammte organische Natur umfassenden Process der Differenzirung zu 
Grunde liegen, schwebt noch ein Dunkel. Wir sind hier ganz und gar
	        
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