Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/376/
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Intensität der Empfindung. 
Violett Y20S1 für weißes Lieht von gleicher objectiver Stärke Vigo- Während 
demnach bei diesem Beobachter die Intensitätsempfindlichkeit bis nahe an das 
violette Ende des Spektrums zunahm, fanden sie Lamansky1) und Bohx2) im 
Grün am bedeutendsten; doch weichen die Resultate beider Beobachter wieder 
in andern Beziehungen von einander ab. Auf den Seitentheilen der Netzhaut 
sinkt die Unterschiedsempfindlichkeit bedeutend, zeigt aber in Bezug auf die 
einzelnen Farben ähnliche Unterschiede wie im direct en Sehen3). 
Die Reizschwelle für Farben weicht ab von der Reizschwelle für 
farblose Lichterregungen ^ denn alle Farben erscheinen bei geringer Helligkeit 
farblos. Der Intensitätszuwachs, welcher zu der die Helligkeitsempfindung 
erzeugenden Lichtstärke hinzutreten muss, um die Farbenempfindung auszulösen, 
ist aber für die weniger brechbaren Farben ein weit geringerer als für die 
brechbareren. Während nach Charpentier bei Roth die Farbenschwelle etwa 
nur doppelt so groß als die Helligkeitsschwelle ist, erreicht sie im Violett die 
160 fache Größe derselben. Ebenso verhalten sich die zur Farben- und zur 
Helligkeitsunterscheidung von Punkten erforderlichen Lichtstärken. Dagegen ist 
das Verhältniss zwischen der Lichtmenge, welche die Erkennung einer Farbe, 
und derjenigen, welche die Unterscheidung eines mit derselben Farbe beleuchteten 
Punktes gestattet, nach Charpentier annähernd constant, indem die erstere etwa 
die Hälfte der letzteren beträgt4). 
2) Schallempfindungen. Ueber dieses Sinnesgebiet wurden zu¬ 
erst Versuche nach der Methode der Minimaländerungen von Volkmann5) 
sowie von Renz und Wolf6), solche nach der Methode der richtigen und 
falschen Fälle von Nörr7) ausgeführt. Volkmann Lind, dass die den Schall¬ 
stärken proportionalen Fallhöhen eines Schallpendels annähernd im Ver¬ 
hältniss von 3 : 4 stehen mussten, wenn sie eben unterschieden werden 
sollten. Renz und Wolf bestätigten diese Angabe. Nörr benutzte den 
Schall eiserner Kugeln, welche vertical auf eine vibrationsfähige Platte 
herabfielen; seine Versuche ergaben nur eine approximative Ueberein- 
stimmung mit dem WEBEifschen Gesetze. Umfangreichere Versuche mittelst 
fallender Kugeln sind dann von E. Tischer, J. Merkel und P. Starke ausge¬ 
führt worden. Tischer verfuhr nach der Methode der Minimaländerungen : er 
fand zwischen Schallstärken, die sich etwa wie \ : 3000 zu einander ver¬ 
halten, die relative Unterschiedsschwelle fast völlig constant; ihr abge¬ 
rundeter Werth betrug, übereinstimmend mit Volkmann’s Resultat, nahe¬ 
zu V3. In noch weiterem Umfange bestätigte Merkel sowohl durch die 
Minimalmethode wie mittelst der richtigen und falschen Fälle die Gültig- 
1) Archiv f. Ophthalm. XVII, I S. 123 f. 
2) Poggendorff’s Annalen, Ergänzungsband VI, S. 3 94. 
3) Dobrowolsky, Pflüger’s Archiv XII, S. 441 f. 
4) Aubert, Physiologie der Netzhaut, S. 124 ff. Chodin , Ueber die Abhängigkeit 
der Farbenempfindungen von der Lichtstärke. Jena 1 877. Charpentier, Compt. rend. 
XCVI, p. 858, 1079. Arch. d’Ophth. 1 884, p. 291. 
5) Fechner’s Psychophysik I, S. 176. 
6) Vierordts Archiv f. physiol. Heilkunde 1856, S. 185, 
7) Zeitschrift für Biologie, 1 879, XV, S. 297.
        

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