Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (1)

Maßmethoden der Empfindung. 
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anderen Werth, als wenn der Yergleiclisschall vorangellt. Es ist daher er¬ 
forderlich jede dieser Bestimmungen bei doppelter Zeitlage vorzunehmen, oder 
allgemein: wo verschiedene Raum- oder Zeitlagen möglich sind, da muss so¬ 
wohl r0 wie ru in jeder Raum- und Zeitlage besonders bestimmt und dann 
aus allen diesen Bestimmungen das Mittel genommen werden. Hat man schlie߬ 
lich für eine Reihe verschiedener Reizgrößen r die zugehörigen Werthe r0 und 
ru gewonnen, so ergeben sich unmittelbar für die functioneilen Beziehungen 
der Unterschiedsempfindlichkeit folgende Gesichtspunkte: 
a) Wenn z1 r0 und zlru constant bleiben, während zugleich fortwährend 
z/r0 = z/ru ist, so bedeutet dies Gonstanz der absoluten Unterschiedsempfind¬ 
lichkeit. b) Wenn sich z/ r0 und z/rw beide mit wachsendem r verändern, 
aber für irgend ein einzelnes r z/r0 = z/ru ist, so hat die Curve der Unter¬ 
schiedsempfindlichkeit zwischen den Grenzen ru und r0 einen annähernd linearen 
Verlauf, c) Ist bei veränderlichem r0 und r,u für ein einzelnes r z/r0^>z/rln 
so nimmt die Unterschiedsempfindlichkeit zwischen den Grenzen ru und r0 mit 
wachsendem r ab. d) Ist umgekehrt bei veränderlichem r0 und ru für ein 
einzelnes r zlr0 z/rw, so nimmt die Unterschiedsempfindlichkeit zwischen 
den Grenzen r,u und r0 zu. 
Nelimen wir ferner eine mittlere U n t e r s c h i e cl s s c h w e 11 e 
Jr = Z'o+Aln 
an und definiren eine Größe R durch die Bedingungen 
R = r0 — z/ r = ru + z/r, 
so deutet der Fall R^> r an, dass wir einen Reiz r überschätzen, umge¬ 
kehrt der Fall R r, dass wir denselben unt erschätzen. Demnach lässt 
sich die Größe R als der Schätzungswerth des Reizes r und z1 als 
die Schätzungsdifferenz desselben bezeichnen, wo dann eine positive 
Schätzungsditlerenz andeutet, dass der Reiz überschätzt, eine negative, dass er 
unterschätzt wird *). 
2. Die Methode der mittleren Abstufungen. Bei ibr misst man, 
wie oben erörtert, die Veränderungen der Unterschiedsempfindlichkeit mit der 
Reizstärke, indem man die Quotienten 
r 1 
r-2 r% r4 
der Reihe nach be- 
r-2 r4 
n 
stimmt. Dies geschieht aber, indem von drei auf einander folgenden Reizen 
ro und r> der untere und obere, und r3, constant erhalten, der mittlere 
r 
i ? 
r-2 aber stetig abgestuft wird. Um die Punkte zu finden, wo ebenso weit von 
r\ wie von r;. entfernt zu sein scheint , gellt man zunächst von einem der unteren 
Grenze näher liegenden Werthe des Reizes aus und lässt dann diesen zuerst 
bis zu einem Punkte r 
dann darüber hinaus, 
obere Grenze dieser Mittenschätzung erreicht wird. Ebenso wird in umge¬ 
kehrter Richtung verfahren, indem man, von einem r3 näher liegenden Werthe 
ausgehend, zuerst einen oberen Grenzpunkt r"0 und dann einen unteren r"u 
der Mittenschätzung bestimmt. Man erhält so schließlich r2 als Mittel aus den 
u 
um 
zunehmen, welcher eben der Mitte entspricht, und 
einen Punkt r zu bestimmen, bei welchem eine 
vier Werthe n r u -f- i 
t! 
u 
r 
0 
ff 
o* 
Wirken die verglichenen Reize gleich¬ 
zeitig ein, Avie bei Licht versuchen, so ist außerdem die Raumlage, wirken sie 
\ ) Wundt, Phil. Studien I, S. 556. Ueber specielle Modificationen der Methode 
vgl. P. Starke, ebend. Ill, S. 275, und J. Merkel, ebend. IV, S. 118.
	        
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