Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/316/
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Entstehung und allgemeine Eigenschaften der Empfindungen. 
der Wirbellosen gleichkommt, überall an der nämlichen Stelle vom Ekto¬ 
derm, sondern auch seine weiteren Gliederungen bilden eine zusammen¬ 
hängende Entwicklungsreihe. Aus der einen Hälfte des meistens durch 
eine Einschnürung sich theilenden Gehörbläschens wachsen schon bei den 
Fischen die in allen Wirbelthierclassen im wesentlichen ähnlich gestalteten 
Bogengänge hervor, aus der andern Hälfte entwickelt sich die Schnecke, 
die erst bei den Säugethieren ihre vollkommene Gestalt gewinnt (Fig. 94). 
Hiermit erreichen zugleich die unmittelbar den Fasern des Hörnerven an¬ 
gefügten Endapparate jene Ausbildung, die eine große Zahl differenter 
Empfindungen möglich macht, und die wir unten bei der Structur der ent¬ 
wickelten Sinnesorgane näher schildern werden1). 
Fig. 94. Entwicklung des Gehörlabyrinths bei den Wirbelthieren, schematisch. (Nach 
Waldeyer. ) I vom Fisch, II vom Vogel, III vom Säugethier. US Vorhof. U Vorhofsab¬ 
theilung der Bogengänge (Utriculus). 5 Vorhofsabtheilung der Schnecke (Sacculus). Cr 
Verbindungscanal zwischen beiden. C Schnecke. L Ausbuchtung derselben beim Vogel 
(Lagena). K Schneckenkuppel. R Ausbuchtung des Vorhofs (Recessus labyrinthi).“ 
Das Auftreten von SehwTerkzeugen im Thierreich ist stets an die 
Ablagerung lichtabsorbirenden Pigmentes gebunden. Hierauf gründet sich 
die Annahme, dass die sogenannten Augenflecken im Protoplasma der Proto¬ 
zoen als primitivste Form eines Sehorgans zu deuten seien. Aehnliche 
Augenflecken finden sich noch bei Würmern und Echinodermen, wo sie 
meistens in der Nähe der centralen Ganglien gelagert sind und wahr¬ 
scheinlich von hier entspringenden Nervenfasern, deren Nachweisung aber 
noch nicht überall gelungen ist, versorgt werden. Auf einer nächsten 
Entwicklungsstufe, die bei vielen, Plattw7ürmern, den Räderthieren und 
Seesternen verwirklicht ist, sehen wir die Nerven in eigenthümlich 
1) Retzius, Das Gehörorgan der Wirbelthiere. I, II. Stockholm 1881—1884.
        

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