Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5137/304/
292 
Entstehung und allgemeine Eigenschaften der Empfindungen. 
Classe gehören sehr verschiedenartige Empfindungen, die wir im allgemeinen 
in drei Gruppen sondern können. Eine erste umfasst Empfindungen, die 
als Regulatoren gewisser vegetativer Verrichtungen dienen, wie das Gefühl 
des Athembedürfnisses in seinen verschiedenen Graden, das Hunger- und 
Durstgefühl. Sie bilden einen wesentlichen Bestandteil des Gemeinge¬ 
fühls. Mit diesen peripherisch localisirten Empfindungen aus centraler 
Reizung pflegen solche, die aus der Erregung der peripherischen Organe 
selbst entspringen, in untrennbarer Weise sich zu verbinden. Eine zweite 
Gruppe bilden jene Empfindungen, welche an die Bewegungen der will¬ 
kürlichen Muskeln geknüpft sind, die Bewegungsempfindungen. 
Die wichtige Rolle, welche dieselben bei der Bildung der durch die 
äußeren Sinne vermittelten Vorstellungen spielen, bringt sie zu den eigent¬ 
lichen Sinnesempfindungen in nahe Beziehung. Auch sie sind gemischten 
Ursprungs, indem sich bei ihnen Empfindungen, die in dem Contractions- 
zustand der Muskeln ihre Quelle haben, mit Empfindungen, die den cen¬ 
tralen Willensact begleiten, verbinden. Als eine dritte Gruppe centraler 
Empfindungen sind endlich diejenigen zu unterscheiden, welche in der 
Reizung solcher centraler Sinnesflächen ihre Ursache haben, die den peri¬ 
pherischen Gebieten der äußeren Sinnesorgane zugeordnet sind. Dieselben 
können auf doppelte Weise entstehen: entweder durch die allgemeinen 
Gesetze der Wechselwirkung der Vorstellungen, als Bestandteile repro- 
ducirter Vorstellungen, oder in Folge unmittelbarer physiologischer Er¬ 
regung der Centraltheile durch die in Cap. V (S. 199 ff.) erörterten auto¬ 
matischen Reize, als Bestandteile der Hallucinationen und Traumvorstel¬ 
lungen. Diese beiden Formen der Empfindung, die mit einander verwandt 
sind und zuweilen in einander übergehen, wollen wir, da sie den 
eigentlichen Sinnesempfindungen am nächsten stehen und oft nicht von 
denselben unterschieden werden können, als centrale Sinnesempfin¬ 
dungen bezeichnen. Sie beruhen auf der unmittelbaren Reizung jener 
centralen Sinnesflächen, in welchen die Fasern der Sinnesnerven schlie߬ 
lich ausstrahlen1). 
Die äußern Vorgänge, welche als Reize auf unsere Sinnesorgane ein¬ 
wirkend die Sinnesempfindung her vorrufen, sind Bewegungen. 
Doch besitzen nur bestimmte Bewegungsvorgänge die Eigenschaft der 
1) Nach ihrem physischen Ursprung können demnach alle Empfindungen folgender¬ 
maßen classificirt werden : 
Empfindungen aus peripherischer Reizung. Empfindungen aus centraler Reizung. 
Peripherische Sinnes- Organempfin- Centrale Gemeinem- Centrale Sinnes¬ 
empfindungen. düngen. pfindungen. empfindungen. 
Gemeinempfindungen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.