Volltext: Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1. Band, 3.,umgearbeitete Auflage (1)

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Verlauf der nervösen Leitungsbaiinen. 
6. Leitungssysteme der Hirnschenkel und Hirnganglien. 
Mit den in den mittleren und oberen Kleinhirnstielen das kleine mit 
dem großen Gehirn verbindenden Fasern treffen die direct nach oben 
laufenden Fortsetzungen der Rückenmarksstränge in der Hirnbrücke 
zusammen. Diese ist keine Quercommissur zwischen den beiden Klein¬ 
hirnhälften, was sie nach dem äußern Anblick zu sein scheint ; die wirk¬ 
lichen Commissurenfasern bleiben vielmehr innerhalb des Kleinhirnmarks, 
indem sie, wie wir oben gesehen, durch den Wurm hindurchtreten. Eine 
wichtige Bedeutung der Brücke besteht aber wohl darin, dass die aus 
dem kleinen Gehirn ihr zugeleiteten Fasern in ihre grauen Massen ein- 
treten, worauf aus diesen neue vertical aufsteigende Fasern hervorgehen, 
welche sich dem Hirnschenkel beigesellen. Die in der Mittellinie (bei R 
Fis. 60) von der einen zur andern Seite herübertretenden Fasern sind 
wahrscheinlich der Hauptmasse nach Kreuzungsfasern, welche theils den 
directen Fortsetzungen der Rückenmarksstränge durch die Brücke theils 
den Brückenarmen des Kleinhirns angehören: denn was die ersteren be¬ 
trifft, so haben uns physiologische Thatsachen belehrt, dass ein großer 
Theil der Bahnen in der Brücke auf die entgegengesetzte Seite tritt (S I 17), 
die Kreuzung der Brückenarme aber wird durch pathologische Beobach¬ 
tungen wahrscheinlich, welche eine functioneile Verbindung je einer Klein¬ 
hirnhälfte mit der entgegengesetzten Großhirnhemisphäre annehmen lassen: 
Atrophie eines Großhirnlappens pflegt nämlich von einem Schwund der 
ungleichseitigen Kleinhirnhälfte begleitet oder gefolgt zu sein L). Wie die 
Fasern der Brückenarme wahrscheinlich alle in Internodien grauer Sub¬ 
stanz eintreten, bevor sie in die verticale Bahn umbiegen, so sind auch in 
die unmittelbar aufsteigenden oberen Kleinhirnstiele [ha Fig. 60) kleinere 
graue Kerne eingestreut, bis jene endlich nach eingetretener Kreuzung in 
den im oberen Theil des Hirnschenkels gelegenen rothen Keimen ihr Ende 
finden. Auf diese Weise, durch Sammlung der von unten aufsteigenden 
Rückenmarkstränge sowie der seitlich und von oben herantretenden Fort¬ 
sätze aus dem kleinen Gehirn, constituât sich innerhalb der Brücke jener 
ganze Faserzug, welcher die tiefer gelegenen Nervencentren mit den Ge¬ 
bilden des Großhirns verbindet, der Ilirnschenkel. Nebenbei ist aber 
chiatrie 1 870, S. 94) stellen eine solche dar. Hexle hält die Umbeugungsfasern für 
SLützfasern des Bindegewebes (Nervenlehre, S. 233). Der innere Fortsatz der Purkinje- 
schen Zellen geht, wie Koschewmkow (Archiv f. mikrosk. Anatomie V, S. 332) gefunden 
hat, unmittelbar in eine markhaltige Nervenfaser über: er hat somit ganz die Eigen¬ 
schaft eines Axenfortsatzes ; der äußere löst sich nach Roll in ein in der Körner¬ 
schichte gelegenes nervöses Fasernetz auf, aus welchem dann erst stärkere Nervenfasern 
entspringen. (Boll a. a. O. S. 71.) 
1) Meyxert a. a. O. S. 759.
	        
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