Volltext: Die Zeitdauer einfachster psychischer Vorgänge

368 J. v. Kries und F. Auerbach: 
am anstrengendsten waren. Indessen können wir auf die absoluten 
Werthe der Mer gefundenen Zahlen und ihr gegenseitiges Verhalten 
kein grosses Gewicht legen. Dazu sind sie noch zu unsicher. Mit Sicher¬ 
heit können wir aber sagen, dass bei der Anstellung von ca. 45 Einzel¬ 
versuchen unmittelbar hintereinander, wovon die mittleren 15 Versuche 
mit Unterscheidung sind, die Ermüdung sich schon in einer Verlänge¬ 
rung der einfachen Keactionszeiten geltend macht. Allerdings wird die¬ 
ser Einfluss noch durch die zufälligen Schwankungen sehr überwogen 
und zeigt sich daher erst bei den Mittelwerthen aus einer grösseren 
Zahl solcher Keihen. 
Zum Schlüsse sei es gestattet, einen Rückblick auf die gewonnenen 
Ergebnisse zu halten. Für das Studium der ünterscheidungszeiten ist 
in den mitgetheilten Versuchen ein erster Anfang enthalten. Denn auf 
den meisten Gebieten haben wir nur Specialfälle untersucht. Verall¬ 
gemeinern konnten wir, wie es schien, die. Resultate der Tastlocalisation. 
Wir fanden keine wesentliche Abhängigkeit der Unterscheidungszeit von 
der Wahl der Hautstellen. Eine deutliche Abhängigkeit von der Wahl 
der Orte fanden wir bei der Gehörsloealisation; es ist aber auf die ex- 
ceptionelle Stellung dieser Art von Beurtheilung schon mehrfach hin¬ 
gewiesen worden. Bei den Tönen schien uns die ünterscheidungszeit 
von der Tonhöhe abhängig zu sein; doch konnten wir dies Resultat 
nicht als völlig sicher betrachten. Hier würde sich noch ein reiches 
Feld der Untersuchung bieten; die Erkennungszeit könnte von dem Inter¬ 
vall, von der Tonhöhe und der Intensität der zu unterscheidenden Töne 
in mannichfacher Weise abhängen. Die oben hypothetisch vorgelegten 
Anschauungen werden zum Mindesten zeigen, dass aus einer Eruirung 
dieser Verhältnisse über die Natur unserer Tonempfindungen, über das 
Verhältniss von Geräusch- und Klangempfindungen sich nicht wenig' 
ergeben könnte. Dasselbe gilt von der Unterscheidung der Farben, diese 
wird von Intensität, Sättigung, Grösse der Lichterscheinung, ohne Zweifel 
abhängen. Dagegen möchten wir es kaum für wahrscheinlich erachten, 
dass sich für die optische Richtungs- und Tiefenlocalisation bei Wahl 
anderer Stellen wesentlich andere Werthe ergeben würden, sofern man 
wenigstens die allgemeine Form der Versuche festhält, nämlich Unter¬ 
scheidung des flxirten von einem indirect gesehenen Punkte und Locali¬ 
sation eines gerade vor oder gerade hinter dem Fixationspunkte gelege¬ 
nen Gegenstandes. Wir halten daher unsere wesentlichsten Resultate, 
das über die Localzeichen der Haut und das über optische Richtungs¬ 
und Entfernungslocalisation Gesagte, für ausreichend gesichert. In Bezug 
auf die Erkennung von Qualitäten erkennen wir gern die Un Vollständig¬ 
keit des Gegebenen an.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.