Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeitdauer einfachster psychischer Vorgänge
Person:
Kries, Johannes A. von Felix Auerbach
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit5095/66/
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J. y. Kries und F. Auerbach: 
den Tastsinn erworben ist, für die anderen Sinnesorgane nicht mehr er¬ 
worben zu werden braucht. 
Wesentlich anders verhält sich der Einfluss der Uebung auf 
die Unterscheidungszeiten. Diese verkürzen sich erstens im Laufe 
der Versuche relativ viel bedeutender als die einfachen Keactionszeiten, 
und ferner macht sich der Einfluss der Uebung bei ihnen noch geltend, 
wo er an den einfachen nicht mehr bemerkbar ist. Bei den Versuchen 
über Localisation von Tastreizen sehen wir die Unterscheidungszeiten 
Anfangs bei A 6’4 und 11 *7, während sie später im Mittel 2*1 betragen; 
bei K im Anfang 15-3 und 10-9, wo der Mittelwerth der späteren Ver¬ 
suche nur 316 erreicht. Wir erwähnten bereits oben, dass diese Uebung, 
für zwei Hautstellen erworben, auch den übrigen zu Gute kommt. Mir 
bekommen überhaupt beim Tastsinn von jetzt ab keinen weiteren Ein¬ 
fluss der Uebung; bei den Versuchen mit starken und schwachen Beizen 
ist sie nicht wahrnehmbar. Nun folgten die akustischen Versuche und 
es zeigte sich eine neue Uebung. Sie zeigt sich bereits bei den wenigen 
Glocken versuchen, bei welchen ein Constantwerden nicht abgewartet 
wurde; sodann sehr deutlich bei den Versuchen über Unterscheidung 
von einfachen Tönen, wo bei A die Unterscheidungszeiten von 10-4 und 
9-2 bis auf die späteren Mittelwerthe 4-9 und 5-4 sinken, bei A von 
4-5 und 5'9 auf die späteren 1 • 9 und 3'4. Nun aber hört die Uebung 
wieder auf; wir finden keine mehr bei der Unterscheidung von Ton und 
Geräusch, ebenso wenig bei der Localisation von Geräuschen. Bis hier¬ 
her schien uns das Verhalten ganz verständlich; wir meinten nämlich, 
neue Uebung sei erforderlich, wenn man mit dem Beize auf ein neues 
Sinnesorgan überginge; für dieses aber bezöge sich eine irgendwie er¬ 
worbene Uebung gleichmässig auf alle möglichen Arten der Unterschei¬ 
dung. Demnach erwarteten wir bei den ersten optischen Versuchen die 
Uebung wieder deutlich hervortreten zu sehen. Das war aber nicht der 
Fall. Bei den Versuchen am Auge zeigte sich, wie wir sahen, bei A 
eine ganz geringe, bei K gar keine Verminderung der Unterscheidungs¬ 
zeiten. Wir müssen demnach noch an ein anderes Moment, als die Be¬ 
sonderheit der Uebung für jedes Sinnesorgan denken. Eine Erklärung 
des Verhaltens könnte anknüpfen an die oben entwickelte Vorstellung, 
dass in Folge des gewöhnlichen Gebrauchs unserer Sinnesorgane wir eine 
sehr verschiedene Uebung in der Auffassung der verschiedenen Sinnes¬ 
empfindungen haben. Haben wir nun in der Unterscheidung optischer 
Eindrücke schon durch den gewöhnlichen Gebrauch der Augen nahezu 
die möglichst grosse Schnelligkeit erreicht, so wird es begreiflich er¬ 
scheinen, dass sich eine Uebung bei unseren Versuchen nicht mehr 
herausstellt. Es könnte also der von uns bemerkte geringe Einfluss auf
        

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