Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit von Bewegungen
Person:
Külpe, Oswald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4960/15/
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Oswald Külpe. 
eine allgemeine psychologische Gesetzmäßigkeit die Thatsachen der 
sensoriellen und der musculären Reaction zurückzuführen. 
Die wichtigste Eigenschaft der letzteren ist zweifellos ihre Ab¬ 
hängigkeit von dem vorausgehenden Bewusstseinszustande. Gewiss 
ist das organische Gesammtbefinden und die Beschaffenheit des er¬ 
regenden Reizes in qualitativer, intensiver, räumlicher und zeitlicher 
Beziehung nicht bedeutungslos, aber den Unterschied der beiden 
Reactionsformen erzeugt recht eigentlich nur das ersterwähnte Mo¬ 
ment. Und dieses lässt sich in Betreff seiner Intensität und Quali¬ 
tät gesondert betrachten. 
In qualitativer Hinsicht besteht der einer einfachen Reaction 
vorausgehende Bewusstseinszustand in der Erwartung, d. h. in der 
appercipirten Vorstellung eines mehr oder weniger bestimmten Vor¬ 
gangs. Je größere Uebereinstimmung zwischen dieser Vorstellung 
und dem in die Wahrnehmung eingehenden Reizungs- oder Be¬ 
wegungsacte herrscht, um so vollständiger wird die Vorbereitung 
der Reaction heißen dürfen. Ich drücke diese Uebereinstimmung 
dadurch aus, dass ich die in der Erwartung gehegte und die durch 
die Wahrnehmung gegebene Vorstellung einander homogen nenne. 
Ich habe nicht selten bei meinen Reactionen eine wörtliche Re¬ 
präsentation des zu erwartenden Ereignisses während der Vorbe¬ 
reitung stattfinden sehen, wie etwa: jetzt kommt ein Schalleindruck 
— oder ein Lichtblitz und ähnliches. Auch ist es mir kaum je ge¬ 
lungen, zumal bei Schallreizen, die Vorstellung derselben während 
der ganzen Dauer der Vorbereitung (1|—2 Secunden), am wenigsten 
mit gleichmäßiger Lebhaftigkeit, festzuhalten. Nun ist zwar die 
Verbindung zwischen dem bezeichnenden Worte und einer bezeich- 
neten Empfindung oder Vorstellung auch eine sehr enge, keineswegs 
aber von gleicher Unmittelbarkeit und Festigkeit, wie die Ver¬ 
schmelzung eines reproducirten und eines wahrgenommenen Ein¬ 
drucks derselben Qualität. 
Die Schnelligkeit des Uebergangs von einem Bewusstseinserleb- 
niss zu einem neuen hängt aber theils von begünstigenden Gefühlen, 
theils von dem Verhältnis der Verwandtschaft ab, in welchem jene 
zu einander stehen. Die Erwartung ist, je länger sie dauert, von 
steigenden Unlustgefühlen begleitet, zumal wenn an den Eintritt 
des erwarteten Ereignisses die Ausführung von Handlungen
        

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